«Giovanni scho weiß…»

In der Schweiz benützen wir den Spruch «Giovanni scho weiß…», wenn wir eine Sache zu wissen vorgeben, von der wir nicht gut Bescheid wissen. Der Spruch ist eine Anspielung auf den fiktiven Gastarbeiter Giovanni, der Handlanger auf dem Bau ist und wegen einer Zurechtweisung durch seinen Vorgesetzten nicht kleinmütig verzagt, sondern in die Offensive geht und, um sein Gesicht zu wahren, laut kundgibt: «Giovanni scho weiß!»

Von solchen Giovannis wimmelt es zur Zeit. Doch es handelt sich bei ihnen nicht um Analphabeten oder Minimalgebildete, sondern die lautesten Giovannis sind heute die, die wissenschaftliche Zahlen zitieren. Sie glauben an sie, für sie sind Zahlen keine Hirngespinste, sondern das Ergebnis repräsentativer Studien.

Die einen Giovannis schmeißen den anderen Giovannis ihre Zahlen an den Kopf und verlangen irgendein striktes Verhalten, das die anderen Giovannis aufgrund anderer represantativer Zahlen zu erfüllen nicht bereit sind. Die Giovannis ohne Gesichtsmasken machen die vermummten Giovannis nieder, diese wiederum hacken auf den maskenlosen Giovannis herum. Doch nicht nur die Giovannis beim Einkaufen oder Schlangestehen vor dem Gartencenter, auch wer über diese Sache schreibt, also auch ich, der ich gerade diese Zeilen schreibe, kann machen was er oder ich will, man reiht sich auf jede noch so abwägende Weise sofort in den Kampf ein und bedient Fettnäpfchen.

Der gesunde Menschenverstand, der uns seit ungefähr zweihundert Jahren allmählich abhanden gekommen ist, lässt sich nicht auf Knopfdruck reanimieren – er könnte uns gemeinsam aus vielen verzwickten Situationen retten…

Dies glaubt zutiefst euer