Heut schon was gedacht?

Die Frage Heute schon was gedacht? kann einem zu denken geben.

Das Beantworten dieser Frage ist allerdings noch kein Indiz dafür, deshalb gedacht zu haben. Die Frage des Denkens ist so eine Sache. Lange war sie eine meiner Lieblingsfragen.

Inzwischen ist die andere Frage Heute schon was gefühlt? virulent geworden. Ich kann diese Fragen hierarchisieren und sagen, die Denkfrage ist wichtiger als die Fühlfrage oder umgekehrt. Oder ich kann, dreigliedrig gedacht, sagen, die Polarität zwischen den beiden Fragen und ihre Steigerung in die dritte Frage Heute schon was getan?, das ist die eigentliche Frage.

Das ist jetzt verwirrend und vielleicht eine Ausflucht. Da weiß er noch nicht einmal, ober er heute schon gedacht hat, von Anfang bis Ende, individuell, eigenwillig, selbstergriffen gedacht hat, in klaren Gedanken gedacht hat. Er weiß es (natürlich) nicht, doch schon geht er zur nächsten und dann zur dritten Frage über. Verschleppung. Pedalentreten und Festsitzen.

Was ich seit einiger Zeit mit Macht erlebe, ist, dass die Gefühle stärker geworden sind, dank Corona, wegen Corona, trotz Corona. Die wild durch den Himmel flitzenden, versammelt frei am Wind dahin schießenden Mauersegler unter schwarzen Gewitterwolken und ersten Regentropfen, die nach Wasser lechzenden Bäume in Gärten und Wäldern und immer wieder der stille freie klangvolle Himmel, die Vögel, das alles! Oder, weil die Stadt so still ist, am Waldrand der Klang eines millionenfachen Bienenarbeitsdröhnens in den ineinandergreifenden Baumkronen des über unseren Köpfen sich türmenden Sommergrüns, das alles – impulsiert in mir Denken und Fühlen und lässt Freude empfinden wie eine Tat.

Bis bald,