Ins Große denken

Seltsame Dinge geschehen zur Zeit. Ich gehe in die Stadt und bleibe vor der verschlossenen Türe eines Ladens stehen, in dem ich einkaufen wollte. Neben mir findet ein Stadtstreicher entgegen seiner Erwartung nichts im Container. Wir kommen ins Gespräch, es kommt zu Freundlichkeiten und zum Abgleich ähnlicher Erfahrungen. Geld geht von einer in die andere Hand, gute Wünsche kommen von der anderen Seite zurück. Wir gehen auseinander und begegnen uns seither an verschiedenen Orten in der Stadt immer wieder und haben Zeit füreinander.

Oder ich bin dabei, mich von einem Donnerschlag zu erholen, denn ich habe eben erfahren, dass mir bis auf weiteres die Ausübung meinen Beruf untersagt wurde. Statt ins Rechteln  zu kommen, dass durch dieses Berufsverbot meine physische Existenz in Frage gestellt ist, sagt in mir eine ruhige Stimme: «Nun, so hast Du ja nun Zeit» und mir schießt der Name eines alten Menschen ein, den ich noch an diesem Tag anrufe, und wir telefonieren seither jeden Tag und erzählen uns aus unserem Leben, rezitieren füreinander Gedichte, erzählen uns Märchen.

Dann höre ich von einem Freund, dass er viel Geld für eine junge Frau auf die andere Seite des Globus geschickt hat, es geht darum, für sie einen Therapieplatz zu finanzieren, sie ist ein wunderbarer Mensch, doch als schweres Missbrauchsopfer durch ihren Vater braucht sie Hilfe. Die ist teuer. Der schwerreiche Vater hat für sie kein Geld übrig. Der Freund, der für die Finanzierung ihres Therapieplatzes Mitunterstützer sucht, hat nicht das nötige Geld, ich auch nicht, doch wir bekommen es mit weiteren Menschen zusammen hin, dass die junge Frau den Platz erhält.

Diese und viele weitere solche Beispiele sind ein neues Phänomen in meinem Leben. Nun wären sie nur noch ins Große zu denken, das gehört dazu. Das scheint mir wichtig zu sein, denn es sind große Dinge, die zur Zeit geschehen, nicht nur auf Seiten der sogenannten Mächtigen, sondern überall, auch und gerade bei uns in unserem ganz alltäglichen Dasein.