Ins Große gerechnet.

Keine Ahnung, aber da kommt noch was, das ist mir klar. Nur, wird irgendwas anders, gar besser, wenn ich darüber Worte verliere? Manche sagen ja, andere nein. Ich tendiere zum Nein und beziehe damit automatisch Stellung. Und sobald du Stellung beziehst, gibt es Leute, die kritisieren. Wie mit Büchern, bei denen man findet, dies und das habe gefehlt. Aber dass gar nichts vom Thema des Buches erschienen wäre, wenn nicht jemand da gewesen wäre, der oder die es geschrieben hat, diese Überlegung verschwindet hinter den ach so für wichtig gehaltenen Kommentaren.

Ich soll also etwas sagen zum Inzidenzwert, zur Politik, zum Begriff ‹Verschwörungstheorie›. Und am besten nicht irgendwas, sondern das, was noch niemand so gut gesagt hat, wie der oder die so Wünschende es irgendwo im Bauch empfindet.

Zur Wissenschaft kann ich was sagen, zur wissenschaftlichen, beziehungsweise unwissenschaftlichen Haltung der meisten Menschen. 80% ist zu wenig, eigentlich sind, es, wenn wir die so selbstsicheren Wissenschaftler selber noch mit in die Rechnung nehmen, vermutlich etwa 98% aller Menschen, die an irgendein Wissen glauben, das sie für wissenschaftlich halten. Das ist erstaunlich, nachdem führende Wissenschaftler in der Philosophie, Physik, auch in der Psychologie und selbstverständlich auch in der Medizin auf den Übergangscharakter hingewiesen wird, den für unumstößlich gehaltene wissenschaftliche Erkenntnisse haben. Spätestens seit Popper weiß die Wissenschaft, dass eine wissenschaftliche Erkenntnis umso schlechter, gefährlicher, schlicht unwissenschaftlicher und dogmatischer ist, je mehr sie im Kleid der Wahrheit auftritt.

Wie aber kommt es zu falschen wissenschaftlichen Urteilen und zu so flächendeckenden Fehleinschätzungen in Bezug auf die Wahrheit und in Bezug auf das Auslegen von Zahlen?

Ich gebe ein Beispiel: Seite einigen Tagen ist unser Kasseler Alltagsleben wie ausgewechselt. Vor einer Woche war großer Schneefall, oben beim Herkules ein halber Meter, seither Minuswerte, die uns seit einer geschlagenen Woche einen Pulverschnee bescheren, als wären wir in Kanada im Skiurlaub. Herrlich für Huskiehunde und genauso für Schweizer, die als Kinder manchmal wochenlang in einer solchen Glitzerschnee- und Kaltluftwelt ihre Lungen stählten und schlittelten und Iglus bauten und in ihnen lebten (mit Kerzenlicht am Abend, so groß waren unsere Bauten). Plötzlich ist die Stadt restlos verwandelt, massenweise Langläufer, Skigänger, Schlittenfahrer ziehen vor unserer Haustüre vorbei über die schneebedeckte Straße in Richtung Wald. Und lauter Menschen in Mänteln und mit Kapuzen, als kämen sie direkt aus Sibirien. Ich dachte kürzlich, es ist doch kaum zu glauben, wie alle Leute zu Hause alle diese Wintersachen haben, nicht nur buntfarbige Gerätschaften für vielseitige Vergnügungen, nein auch die entsprechende Kleidung mit Fellmützen und Fellhandschuhen und allem.

Dieser Gedanke war ein Fehlschluss! Er basiert auf meiner Wahrnehmung all der vielen Menschen, die bei dieser Kälte (minus 15 bis 20 Grad) rausgehen. Es gehen bei einer solchen Kälte jedoch nur noch Leute außer Haus, die entsprechend ausgerüstet sind. Ich sehe also alle anderen nicht, denn für die ist einfach zu kalt im Freien. Deshalb ist es sicher nicht so, dass alle Leute in Kassel so winterfest ausgerüstet sind, wie ich für einen Augeblick meinte. Es scheint nur so. So funktioneren wissenschaftliche Gehlschlüsse, im Kleinen und genauso im Großen.

In Wirklichkeit ist es so, dass ein kleiner Teil der Kasseler zur Zeit im Freien anzutreffen ist, nämlich genau und nur der Teil, der für diese Temperaturen ausgerüstet ist. Was ich sehe ist nicht das, was das Gesamtbild abgibt. Das was ich sehe, an das glaube ich.

So einfach ist das mit den wissenschaftlichen Irrtümern, vor allem überall da, wo mit Zahlen operiert wird.

Herzlich