Keine Steine in Brot verwandelt

Seit Gott tot ist, wie Nietzsche gesagt hat und wie es ihm heute viele ungefragt nachgeplappern, seit dieser Zeit läuft die Versuchung, die uns in der Bibel erzählt wird, folgendermaßen ab: Der Teufel kommt als Versucher in schöner Gestalt zum Menschen und sagt «wenn du Hunger hast, verwandle diesen Stein in Brot und du wirst satt». Der Mensch erinnert sich an Bert Brecht und sagt «zum Teufel nochmal, erst kommt das Fressen, dann die Moral». Dann würde er den Teufel ein zweites Mal bitten, nicht wissend, dass er schon vor ihm steht, und ihm befehlen «mach Brot aus diesen Steinen, damit ich esse». Der Teufel würde Brotähnliches aus den Steinen machen, und der Mensch würde es hinunterwürgen und sich satt fühlen.

Im Original läuft es ähnlich ab, auch wenn die Pointe eine ganz andere ist. Vorerst, es kommt ebenfalls der Versucher in schöner Gestalt. Er sagt «so du Hunger hast, mach Brot aus dem Stein und du wirst satt». Der Angesprochene reagiert ähnlich wie der Mensch oben, auch er beruft sich auf eine literarische Quelle, wenn auch nicht auf Brecht, der kam erst später. Und so antwortet er »der Mensch lebt nicht vom Brot allein» oder in der Übersetzung von Angelus Silesius «Das Brot ernährt dich nicht: was dich im Brote speist, ist Gottes ewigs Wort, ist Leben und ist Geist.»

Was soll ich weiter dazu sagen, außer dass ich mich dann wohl fühle, wenn ich mir mich nicht als Gegenwartsmensch vorstelle.

Mit Gruß