Königshaufen

Ein Königshaufen war die Folge eines Sternenhaufens. Über zweitausend Jahre sei es her, dass dies so geschehen. Genau genommen war es nicht ein Sternhaufen, sondern eine Konjunktion von zwei Planeten.

Und selbstverständlich war es nicht ein Königshaufen, sondern es war ein kleine Ansammlung von Königen, die sich an einem Ort einfanden, nicht um dort ihre Macht zu demonstrieren oder ihre Macht gegen andere Machtfelder abzugrenzen, dies eben gerade nicht, sondern sie kamen zusammen, weil sie in den Sternen eine Antwort sahen auf ihre Frage, wie sich die alten ererbten Strukturen der Macht verwandeln lassen könnten.

Die Könige vertrauten auf ein kleines Kind. Kindlichkeit als Ablösung alter Machtstrukturen, das ist bis heute ein Thema geblieben. Gerade jetzt und seit einigen Monaten besonders stark!

«Du schreibst ja lieber nicht wie du zu diesen Verwicklungen stehst», las ich heute in einem Brief an mich. Diese Bemerkung stammt von einer Leserin meines Blogs.

Hat diese Leserin recht? Ja, sie hat recht, ich schreibe nicht, wie ich zu den Verwicklungen stehe, jedenfalls tue ich es nicht direkt. Doch ich meine, es sei aus jeder zweiten meiner Zeilen ganz klar herauszulesen, wie ich zum Leben stehe und damit auch zum gegenwärtigen Leben und damit selbstverständlich auch zu «diesen Verwicklungen». Insofern hat sie natürlich auch wieder unrecht, denn ich schreibe ja dazu.

Insgesamt halte ich die Beschreibung von Haltungen für überholt. Haltungen und Meinungen bedienen sich alter Machtstrukturen, bewegen sich innerhalb der Spielregeln von Debatten und Besserwissereien. Sie stellen Rechnungen in Frage, indem sie Gegenrechnungen aufstellen. Da ich an der Bedeutung von Algoritmen ebenso grundsätzliche Fragen habe wie überhaupt an Argumenten, die aufgrund von Zahlen ins Feld geführt werden, will ich wenigstens so konsequent sein, dass ich nicht wieder mit Zahlen – und auf Zahlen basiert zur Zeit ja so ziemlich alles, was sich Menschen aus den verschiedenen Lagern um die Ohren hauen – auf unangenehme Zahlen reagiere.

Das will ich nicht mehr, denn solange ich dies getan habe, waren mein Herz und meine Gefühle kalt geblieben. Das sollten sie aber nicht. Deshalb mische ich mich gerne unter den Königshaufen. Deshalb vertraue ich auf die neuen Kindheitskräfte, die mir in jedem Kind entgegenkommen, in jedem! Das Vertrauen in sie ist gestört, sobald ich mich mit meinem Schreiben über die Dinge des Herzens stelle und meine Meinung über die gegenwärtigen Verwicklungen zum Ausdruck bringe. 

Diese meine Haltung hat nicht mit Macht zu tun, eben nicht mehr. Und wenn ich keine Macht mehr erlebe in meinem Tun, dann erlebe ich mein Tun als Ohnmacht. Und so ist es auch. Die Frau, die mir heute schrieb, steht, wie sie ebenfalls schrieb, vor der Alternative, sich gegen Corona impfen zu lassen oder, wenn sie es verweigert, ihre geliebte Stelle als Therapeutin zu verlieren. Ich spüre mit aller Macht, wie verlockend es wäre, laut hinaus zu sagen, wie ich dazu stehe, wie jeder anständige Mensch darüber denken muss. Nur, selbst bei einer so klaren Sache habe ich nicht einfach den einen klaren Standpunkt. 

Dass mir die Situation dieses Menschen die Luft verschlägt, will ich nicht als Anlass nehmen, um Stellung zu beziehen. Mit einer solchen Haltung riskiere ich Freundschaften und als Feigling abgetan zu werden. Würde ich aber meine Haltung ändern, verlöre ich die Anbindung an das, was mir durch die Hinwendung zu den Kindern entgegenkommt.

Aus diesem unlösbaren Dilemma grüßt,

mit guten Wünschen