Lernschule

Das wäre überhaupt die Lösung, die Schule als lernende Organisation. Auf sie macht der Dialogforscher Chris Argyris in seinem Buch Wissen in Aktion indirekt aufmerksam, wenn er Lernen als Aktionskonzept beim Bewusstwerden eines Fehlers beschreibt.

Schülerinnen und Schüler suchen Vorbilder. Sie interessieren sich nicht für jährlich wiederkehrende Konzepte, die sich nicht bewährt haben. Sie wollen immer neue Konzepte sehen und am liebsten solche, die sich durch ihre Realisierung verwandeln. Wie, wenn die Lehrerinnen und Lehrer, ja die komplette Schulgemeinschaft, auch die Verwaltung der Schule und genauso die Eltern der Kinder Aktionskonzepte entwickeln, die sie im alltäglichen Miteinander dauernd korrigieren und lernend optimieren? Keine Schule ist so gut, als dass an ihr nicht alle, nicht nur die Schülerinnen und Schüler, nein alle lernen können. Alle Beteiligten lernen, dauernd entdeckt jemand einen oder mehrere Fehler und die Gemeinschaft der Beteiligten korrigiert ihn und vollzieht die Integration erweiterten Wissens!

«Lernen setzt ein, wenn wir einen Fehler entdecken und korrigieren,» schreibt Argyris und fährt fort: «Ein Fehler ist die Diskrepanz zwischen dem, was wir von einer Aktion erwarten, und dem, was tatsächlich eintrifft, wenn wir diese Aktion umsetzen.» Die Organisation Schule ist ein Ort dauernder Fehlanpassung, beziehungsweise sie müsste es sein. Der Unterricht, von dem der Lehrkörper etwas ganz anderes erwartet hat als das, was tatsächlich eingetroffen ist – da ist er, der kribbelnde Moment des Lernens. Die gutgemeinten Absichten eines durchgetakteten und zweckrationalen Stundenplans, wenn sie zu ganz anderen als den vorgestellten Ergebnissen führen – werden sie zur Lernlektion und der unbrauchbare Stundenplan dieser in Verwandlung nach vorn strebenden Schule landet sofort auf der Müllhalde der Geschichte. Wenn von den Prüfungsthemen bis zur Durchführung der Prüfung die Absicht und das Resultat der Bemühungen lauter Missverständnisse und Fehlleistungen gezeitigt haben – dann werden die nächsten Prüfungen restlos anders geplant, hemdsärmelig und mit Lust und purer Freude.

Die Schule selbst als Lernort dauernder Verwandlungen und spielerischer Umstrukturierungen mit dem ganzen Lebensernst, den es dazu braucht. Schule als Kaderschmiede permanenter Demokratie!

Da muss mir doch niemand erzählen, dass da keine Kinder wären, die gerne in eine solche Schule gehen.