Lüge ist kein Ausdruck

Manchmal genügt es nicht, eine Sache eine Lüge zu nennen. Gerade in Zeiten der größten Lügen ist dieses Wort am wenigstens sinnvoll zu gebrauchen.

Das Bild mit dem Turm von Babylon habe ich mir bisher stets als Sinnbild der Sprachverwirrung vorgestellt. Das ist nicht korrekt, denn es geht nicht darum, dass die Menschen damals in verschiedenen Sprachen gesprochen hätten, nicht nur. Wäre nur dies das Problem gewesen, hätten sich Dolmetscher eingefunden und Dolmetscherinnen, Simultanübersetzerinnen und Übersetzer, die den Inhalt dessen, was in verschiedenen Sprachen ausgetauscht wurde, aufeinander bezogen den den in ihren Sprachen Redenden übersetzt und verständlich gemacht worden wäre.

Das Bild der Lüge geht noch weiter. In ihm ist keine Übersetzung mehr möglich, weil weder Ohren da sind noch Zungen, die übersetzbare Sprachen sprechen. Das ist viel abgründiger als mein bisheriges Bild, dem trotz der Alltagsschwierigkeiten in der Verständigung sie, dieVerständigung selbst, noch möglich war.

Wenn das nicht mehr möglich ist, ist, wie wir bei uns zu Hause sagen, ‹Matthäi am letzten›, dann können wir aufhören mit dem Reden und mit Gesten der Verständigung, dann ist die Sache hinausgelebt und nichts mehr kommt hintendran.

Weil dies nicht geschehen soll, gehen wir, so viele wie möglich, in die Kehre. Sie ist noch da, diese Möglichkeit, ich spüre es genau.