Mach Konflikte zu einem Kopfproblem

Er installiere jeden Konflikt in der Vertikalen des Kopfes, las ich über den beherzten Theatermann Heiner Müller. Der Satz ist überdenkenswert.

Nicht nur in seinen Texten, die er an den Griechischen Tragödien, an Shakespeare, Heinrich von Kleist und Georg Büchner ausrichtete, also an lauter Autoren, die so konfliktbezogen schrieben wie es konfliktbezogener nicht mehr geht, also nicht nur in seinen Texten, sondern auch beispielsweise in seinen Liebesbeziehungen lebte Heinrich Müller so extrem konfliktreich, dass es, wie die Alemannen sagen, auf keine Kuhhaut geht. In seiner Biografie beschreibt er beispielsweise die Spannungen mit seiner Frau. Sie habe wiederholt Selbstmord zu begehen versucht, er sei jedesmal zur Stelle gewesen, bis auf einmal, das war ihr letzter Versuch, da machte sie es, als er außer Haus war, und da kam zu spät und sie war nicht mehr am Leben.

Wenn ein solcher Mensch seine Konflikte in der Vertikalen des Kopfes, seines Kopfes «installiert», ist das eine Meisterleistung. Gerade wenn Konflikte so ganz außerhalb meiner selbst anzulaufen scheinen (was sie selbstverständlich nicht wirklich tun, aber die meisten wollen es so sehen), ist es ein bekannter Reflex, dass ich diesen Konflikt externalisiere, also auf andere Menschen oder Umstände übertrage und die ganze Sache von mir fernhalten will, so nach dem Mott: Wenn es nach mir ginge, gäbe es gar keinen Konflikt, aber weil du nicht anders kannst, haben wir jetzt den Salat.

Genau das Gegenteil machte Heiner Müller. Und er kam weit damit. Wer die Konflikte der anderen, gar die Konflikte der Welt, zu seinen eigenen macht, hat zwar einen Haufen Drecksarbeit auf dem Arbeitstisch, zugegeben, aber er hat auch Teil an der Sache und kann soe somit verändern, er oder sie kann seinen oder ihren Beitrag zur Konfliktminderung beisteuern.

Würden Milliarden von Menschen so unterwegs sein wie Müller und würden die Konflikte um sie herum ebenfalls in ihrem Inneren, im Kopf vorerst, dann bitte auch noch im Herzen, bewegen, dann bräuchten wir keine Prophetinnen und Propheten zu sein, um voraussagen zu können, dass die Welt anders aussehen würde, restlos anders, wir dürften auch gleich das auslegeungsgefährderte Wörtchen ‹besser› hinzufügen, sie wären nicht nur anders, sondern besser, schöner, wärmer, heller, lichtdurchläßiger.

Mit Gruß,