Mozartzombie

Markus Gabriel, der Philosoph und Tausendsassa hat den wunderbaren Übernamen ‹Mozart der Philosophie›.

Zuunrecht, wie ich meine, auch wenn ich seine sinnliche, spielerische Art des Denkens immer auch mal mag, durchaus und warum eigentlich nicht. Er ist er für mich jedoch kein Mozart der Philosophie, weil Mozart unerreichbar höher steht als die gesamte gegenwärtige Philosophie. Es sollte sich, mit Verlaub, kein Philosoph anmaßen, sich oder andere Philosophen mit Mozart zu vergleichen.

Und dann, die Äußerungen von Markus Gabriel zur Corona-Impffrage sind so was von unkünstlerisch, dass mir Hören und Sehen verging. Deshalb, bitte, lassen wir das mit Mozart, bevor noch mehr Mozartzombies geboren werden!

Im neuen Philosophiemagazin verkündet das vielsprachige Denkchamäleon Gabriel die Bereitschaft, sich sofort impfen zu lassen, sobald der Stoff verfügbar und er an der Reihe sei. Dies tue er nicht aus blindem Vertrauen, sondern weil er sich informiert habe. Und jetzt kommt die erste Bombe: Kein einziger der hochkarätigen Experten und Mediziner, bei denen er sich informiert habe, würde Zweifel an den Zulassungsbedingungen und an der Qualität des Impfstoffs geäußert haben. Die Konklusio aus dieser anscheinend durch kein Argument und durch keine Studie je aufweichbaren Erkenntnis des Denkermusikus ist logisch und zwingend: «Es gibt also keinen Grund für mich zu glauben, dass es eine wie auch immer geartete Gefahr gibt.»

Die seiner Meinung nach mangelnde Impfbereitschaft der Deutschen liegt laut Gabriel an der schlechten Information. Würden wir insgesamt 50% besser informiert, könnte es logisch keinen einzigen Impfgegner mehr geben in Deutschland, das eine weiterer Konklusio des Mannes.

Ich staune, weiß nicht recht, wie man so denken kann, also mir bleibt einerseits nur noch das Staunen, aber nicht ein Staunen wie bei Mozart, bei dem ich wirklich immer wieder staune, wie er komponierte und wie er Vieles, was auf der Hand lag im logischen Vollzug seiner Komposition, Wichtiges nicht hinschrieb, mit sich in den Himmel mitnahm ohne dass irgendein Mensch wissen kann, wie es geklungen hätte, würde er es an der entsprechenden Stelle hingeschrieben haben. Das ist für mich Mozart.

Wären alle so gut über die Qualität und Bedenkenlosigkeit des Impfstoffs informiert wie Markus Gabriel, gäbe es, wie bereits konkludiert, keinen einzigen Menschen mehr mit Fragen an der Sache. Außer natürlich, er hielte trotzdem an seiner Verweigerung fest. Das wäre dann ein so genannter «Impfgegner», wie wir im Philosophie Magazin bei Gabriel nachlesen können.

Wie gesagt, ich staune, solche Worte von einem so berühmten und mich sonst immer wieder durchaus ansprechenden zeitgenössischen Philosophen zu vernehmen. Wie geht dieser Philosoph mit der Energie der phyrrhonischen Skeptikern um, also mit jenen begnadeten Profizweiflern in der Philosophie um, die, weil sie weder ihren Freunden noch den (schon Platon verdächtigen) Fachleuten alles glaubten, was die ihnen erzählten, zu neuen Spitzenleistungen im Denken vorgedrungen sind?

Jetzt muss ich aufhören und mir was von Mozart reinziehen, schließlich gibt es in mir noch die Seite/Saite des Künstlers, die muss auch mal wieder zu ihrem Recht kommen.

Gruß