Nazuna

Eine Nazuna ist in Japan ein Blümlein, vergleichbar mit unserem Gänseblümchen. Basho, der berühmte alte japanische Haikudichter, hat über die Nazuna geschrieben. Gibt es im Westen ein vergleichbares Gedicht über Gänseblümchen? Über Rosen ja, Veilchen auch, Lilie sowieso, aber Gänseblümchen? Es ist mit der unscheinbare Nazuna in der Hecke verwandt.

Das Schanfigg ist ein langgestrecktes Walsertal im Schweizer Kanton Graubünden. Dereinst sollen Schanfigger Männer aus dem Tal weg- und in die Fremdenlegion gegangen sein. Da sei einer von ihnen in der Fremde auf eine Wiese gekommen und habe auf ihr Gänseblümchen entdeckt. Im Schanfigg heißen sie Glinzali, weil ihre weiß umrandeten Äuglein glänzen wie kleine gelbe Lichttupfer, umgeben von Schnee. Da habe der Fremdenlegionär gesagt ‚luah do, Glinzali wia uf Parwiig und sii hiighiit und gschtorba‘ – schau Gänseblümchen wie auf meinem Heimathof Parwiig, sei hingefallen und gestorben.

Ich stand eben wieder auf der kleinen Wiese hinter dem Haus und schaute auf ein Meer von Gänseblümchen. Dies tat ich heute schon öfters und wusste deshalb am Abend, also jetzt, wo ich es festhalte, dass sie ihre kleinen Sonnentellerchen im Laufe des Tages mit stetem Blick zur Sonne langsam von Osten nach Westen bewegt haben. Das ist eine bekannte Tatsache, aber ich habe sie heute so intensiv erlebt, dass diese Gänseblümchen, Tausendschön, Sonnentürchen, Marienblümchen oder Margritli oder eben Glinzali, darauf reagierten. Als ein feiner Tusch von einem Hauch von Abendwind durch sie hindurchging und sie streichelte, schüttelten sie sich zart und wendig wie ein Starenschwarm am Himmel, wie ein kleines Tierchen, das sich trockenschüttelt. Mir schien, als hätten sie es mir zuliebe getan.

Davon berührt grüße ich herzlich,