Neue Visionen

Visionen kommen aus unserem Inneren, Viren nicht. Veränderung kommt von innen, nicht von außen. Was von außen kommt, steuert auch von außen. Wie oft war ich im Leben schon bereit und willens, an meinem Leben etwas zu verändern, ich sah, dass die Veränderung dran war, absolut notwendig. Und ich war bereit zur Veränderung. Doch anscheinend kriegte ich sie nicht so hin, wie ich sie innerlich zur Vorbereitung, zur gedanklichen Vorbereitung, aber noch nicht zur wirklichen Durchführung gebraucht und anzugehen gewagt hätte. 

Solange du nicht weißt, was du wie an deinem Leben veränderst, wirst du allenfalls geändert. Diese Veränderung, wenn sie überhaupt stattfindet, kommt dann aus einer anderen Ecke als der, die du zu deiner Veränderung ausgewählt hast.

Jedenfalls ist seit einigen Wochen, wie sie sagen und wie ich zu empfinden nicht ganz unbegabt bin, alles anders. Jetzt kommt die Transformation. Wer jetzt noch eine Wohnung haben, wer sie gar verteidigen will, ist verloren, den wird die Transformation wegspülen. Wer jetzt noch Angst vor dem Tod hat, kann zusammenpacken. Ehre, Besitz, Sicherheit, Potentialsteigerung im Geistigen  wie im Materiellen, selbst der momentan Sicherheit versprechende Rückzug in die eigenen vier Wände, all das wird es nicht mehr lange einfach so geben, selbst für die Reichen nicht, sicher aber nicht mehr für unsereins.

Ist das so? Von mir kann ich sagen, ich bin vielleicht mir und meiner Veränderung gegenüber nicht so erfolgreich, wie ich mir das manchmal wünsche, aber neu ist am heutigen Zustand doch recht eigentlich nichts. Selbst die folgende Frage ist für mich nicht ganz neu, ob ich nicht wie die Amishpeople auf bestimmte Bereiche der medizinischen Versorgung Verzicht üben soll? Soll ich, wie sie, auf die medizinische Totalversorgung verzichten? Wieso nicht? Die Frage, die ich mir in Bezug auf eine spezifische, an manchen Orten inzwischen ganz konkret gewordene Konstellation stelle, klingt im ersten Moment eigenartig, fast unappetitlich – und sehr bedrohlich. Die Frage, auf die ich eine für mich restlos befriedigende und erstaunlicherweise befreiende Antwort gefunden habe, ist die Frage, mit der zur Zeit in manchen Städten in Europa und Amerika gekämpft wird. Es geht um das Recht des Einzelnen auf ein Atemgerät. Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich trotz meiner Krankenversicherung und trotz der subjektiv empfundenen Bedeutung meiner Person keinen Totalanspruch auf die lebensrettende Atemmaske habe. Diesbezüglich ziehe ich mit den Amish mit, die von Anfang an auf die Errungenschaften der modernen medizinischen Technik verzichten. Ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass meine Krankenkasse oder mein Staat, sei es Deutschland oder die Schweiz, im Ernstfall für mein Atemgerät strammstehen müsse. Ich verzichte auf diesen Anspruch und merke dabei zu meiner heiteren Verwunderung, dass mich dieser Gedanke absurderweise frei macht für die vorerst von außen auf uns zugekommene Transformation. Der verkrampfte und unrealistische Anspruch auf solche Sicherheiten dürfen meinen Umgang mit der Frage des Todes und des modernen Sterbens nicht länger einengen.