Ressource Mensch

Es gibt einen Audruck, den es nicht geben sollte. Ich nehme dieses Wort, das es nie zum Unwort des Jahres geschafft hat, aber seit Jahrzehnten ein solches ist, nicht in den Mund. Und mich dünkt, auch andere sollten es unterlassen. Es hat selektive Energie und gleichzeitig Aufforderungscharakter.

Selektive Energie hat das Wort, weil da ein Bild von etwas entsteht, das in zu großer Menge existiert. Wie bei der ‹Milchschwemme›. In der Landwirtschaft gibt es Gegenmaßnahmen. Bei einer Milchschwemme werden nicht selten riesige Mengen Milch vernichtet und dann Regulierungsmaßnahmen ergriffen.

Stell Dir dasselber zu uns Menschen hin vor. Wir reden nämlich von ‹Überbevölkerung›. Wer meint, es gebe zu viele Menschen, kommt auf ähnliche Gedanken wie die Bauern bei der Milch. Das Gegenteil muss der Fall sein, über jeden kleinen Menschen, der auf der Erde ankommt, habe ich Grund zur Freude. Später kommt selbstverständlich die Sorge hinzu, wie Leben Arbeiten Lieben für uns alle gehen kann, aber vorerst gibt es in meiner Seele und in meinem Verstandesapparat keine Selektionsvorstellung. Wie sollte das gehen?

Der Aufforderungscharakter dieses Unworts liegt auf der Hand. Zur Zeit lebt er so stark unter und zwischen uns, dass wir Leute, die uns auf dem Weg zum Einkaufen oder sonstwo begegnen, am liebsten – na ich verschweige besser, was es da alles für absurde und menschenunwürdige Wünsche und Reflexe unter und zwischen uns gibt. Ich muss mich jedenfalls zur Zeit anstrengen, freundlich zu grüßen (was ich vorsätzlich tue), wenn ich spüre, was ein menschliches Gegenüber, dessen Weg meine Wenigkeit kreuzt, über meine Präsenz denkt.

Also freu‘ ich mich aus menschlichem Protest über menschliche Begegnungen. Das fällt denn doch wieder nicht ganz so schwer, sie gehören zum Wertvollsten auf dieser Welt und mich macht es froh daran zu partizipieren.

Grüße