…schaurich

Kürzlich saßen wir zu dritt zusammen, mehr ist ja nicht drin zur Zeit. Zwei von uns waren eher still und löffelten Suppe. Die eingeladene Freundin redete und ihre Suppe wurde kalt. Das ist meistens so. Nur wenn wir höllisch achtgeben, können wir diesem allzubekannten Szenario entgehen.

Doch diesmal war sie nicht zu bremsen. Schon bald war sie bei der Kernaussage ihrer Ausführungen angekommen. «Die Welt ist so was von auf den Hund gekommen», sagte sie, und um diese erstaunliche Aussage noch gehaltvoller zu machen, raunte sie gleich noch hinterher: «aurich schaurich». Das mit der Welt und dem Hund leuchtete mir ein, aber «aurich schaurich» war für mich Tohuwabohu. Aber natürlich, die Frau ist gebildet und somit hatte ich mich zu kümmern, was sie da meinte. Und fand im Netz die Erklärung: «In Aurich ist es schaurig, in Leer noch viel mehr, doch will Gott dich strafen, schickt er dich nach Wilhelmshaven!“ 

Ach so, ging mir der kalte Gedanke durch den Kopf, das war eine Redensart. Und du hast sie nicht gekannt! Also sorge für die nötige Bildung und löffle nicht einfach so die Suppe vor dich hin! Deshalb habe ich den ersten Teil ihrer Aussage inzwischen lange meditiert und muss sagen, es ist ziemlich weise, in der gegenwärtigen Menschheitssituation zu sagen «Die Welt ist so was von auf den Hund gekommen». Ist sie wirklich. Ich liebe nämlich Hunde. Ihrem Wesen nach. Ob klein oder groß. Sie sind den Menschen gegenüber immer, aber schlichtweg immer aufmerksam, einfühlsam, liebevoll. Sie ordnen ihre Welt durch exakte Sinneswahrnehmung und Hingabe an die Gegenwart. Sie sind das, was das Evangelium von uns Erwachsenen verlangt, wenn wir ins Himmelreich kommen wollen (was anscheindn nur noch die wenigsten überhaupt wollen), sie sind wie die Kinder, spielen bei jedem Wetter und jeder Laune, rennen allem nach, was man ihnen wegwirft, haben jedesmal, wenn sie an die frische Luft gehen, eine Freude wie am ersten Tag der Schöpfung.

Tatsächlich ist einiges davon in den letzten Monaten in meinem Umfeld spürbarer geworden.

Somit ist alles geklärt. Nur, wie wir es das nächste Mal mit dem Besuch einrichten, dass er etwas von der guten Mahlzeit hat, darüber müssen wir weiter nachdenken und nach Lösungen suchen.

Herzlich