Der Einzelhandel als Soziale Plastik

Ob der alte Dalai Lama oder die junge Christina von Dreien, die Kenner und Kennerinnen der Materie ‚Mensch‘ sprechen von seiner geistigen Urquelle. Diese ist der Quellgrund unserer je individuellen, im Einzelnen begründeten Veränderung. Auf sie kommt es an, weniger auf den Durchblick, wer wo auf welche Weise an den Strippen zieht. An meinen eigenen Strippen zu ziehen hindert mich meist niemand, höchstens ich selbst.

Das beginnt bei meiner Einstellung zum Einzelhandel. Und da sehe ich nicht nur Veränderungsmöglichkeiten, sondern einen Veränderungsbedarf. Solange mein Umgang mit den Dingen auf der Schnäppchenunkultur basiert, solange wie ich Einzelhandelsgeschäfte nur deshalb betrete, weil ich dort die Produkte checke, die ich dann im Internet zum Dumpingpreis bestelle, trage ich nicht zur Schwingungerhöhung im Sozialen bei, sondern zur Schwingungsverringerung.

Und jetzt würde ich gerne meinen Freundinnen und Freunden den Mahnfinger entgegenstrecken und sagen: Lasst die Schnäppchengier, denn solange ihr mitmacht, bleibt das mit der Billigproduktion in armen Ländern und viele Unschuldige arbeiten doppelt so viel, damit ihr den Markt austrickst.

Auch solltet ihr euch nicht in falschem Großmut sonnen, indem ihr eure Bergschuhe oder das Fernglas, das ihr beim Fachhändler an- und ausprobiert, edel wie ihr seid, dann auch bei ihm kauft, ihm aber Prozente abluchst, indem ihr ihn unnötigerweise darauf hinweist, seine Ware wäre im Netz viel billiger zu kriegen.

Wie war das mit dem Dalai Lama und Christina von Dreien? Sozialkunst beginnt bei einem selbst, eigentlich nur bei mir kann ich mit ihr loslegen und die Welt umgestalten. Ich kann sogar Sachen kaufen und sie dann verschenken, es ist nichts einfacher als genau dies. Und macht Freude, auch Freunde.

Genau das hat Joseph Beuys in Millionenhöhe gemacht. Auf dem Gipfel seines Ruhmes als Künstler war sein Beitrag für die documenta ein Geschenk an die Stadt, das inzwischen einen Wert von Hunderten von Millionen Euro hat. Er schenkte der Stadt Kassel 7000 Bäume. Um sie schenken zu können, musste er ersteinmal Geld besorgen und sammelte über drei Millionen DM.

Das ist Schenkökonomie mit dem Blick für das Wohlergehen anderer Menschen. Hat stets auch mit dem Fachhandel zu tun und mit der regionalen Vernetzung. Beuys, um bei diesem leuchtenden Beispiel zu bleiben, hat die 7000-Eichen-Aktion ganz in diesen Bereich gestellt, die Steinbrüche und Pflanzschulen und auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort hatten einen Nutzen von seiner Kunst, von der wir uns in Kassel täglich ernähren.

Ich bin nicht Beuys. Ich beginne dort mit der Sozialen Plastik, wo das Leben mich hingestellt hat. Die Freude, wenn ich in die Pötte komme, ist die gleiche wie Beuys sie hatte.

Mit guten Wünschen, euer