Spielende Kinder, ok – und dann?

In letzter Zeit habe ich öfters mit Eltern zu tun, die ihre Kinder bis zum Abwinken spielen lassen. «Die spielen sich halb zu Tode, wenn wir ihnen die Zeit und den Freiraum dazu geben», sagte stolz ein Vater und erzählte gleich noch, wie verheerend die Einschulung bei einem dieser glücklichen Kinder zu Buche schlug. Zwei Tage nach dem lustigen Einschulungstag war die Lebendigkeit bei diesem Kind auf ein Minimum geschrumpft und am Ende der ersten Woche war es total erschöpft – vom Nichtstun sozusagen!

Die Schule und die Lehrerinnen und Lehrer werden bei diesen Eltern weiterhin einen schweren Stand haben. Meine Sympathien tendieren zu den Eltern, ganz klar. Manchmal haben ich bei meinen eigenen Kindern, als die zur Schule mussten, gesagt, Krieg und Hunger haben sie nicht kennenlernen müssen, die Schule allerdings leider schon. 

Ich kann es also allen Eltern, die ihre Kinder lieber spielen lassen statt zuzusehen, wie sie sich in der Schulbank Rücken und Gehirn verbiegen. Allerdings sage ich heute nicht mehr, dass Spielen die Allerweltslösung sei.

In seinem Buch Befreit lernen schreibt der Autor, der amerikanische Psychologe und Ethnologe Peter Gray, voller Begeisterung, auf der Welt würden die Kinder spielen und dies sogar auf sehr ähnliche Art und Weise. Ja, das wird stimmen. Was nicht stimmt, ist, dass alle Kinder, die viel gespielt haben, später ehrenvolle Menschen werden. Gray schoss in seinem Buch einen Bock. Um zu illustrieren, dass eben wirklich alle Kinder gerne spielen, zitierte er ausgerechnet Hillary Clinton, die ehrgeizige Machtpolitikerin, die, noch bevor sie die Präsidentschaftswahl gegen Donald Trum gewinnen konnte, wortlaut verkündete, wenn sie an die Macht kommen würde (sie hat vermutlich ‚werde‘ gedacht), sei nicht nur mit der Fortsetzung der bisherigen Kriege der USA zu rechnen, nein, sie würde noch einige weitere eröffnen. Ausgerechnet diese berechnende und auf Krieg ausgerichtete Frau erzählte von sich gerne, wie sie als Kind ungestört und stundenlang in der Natur umhergestromert sei und mit anderen Kindern gespielt habe. Gray nahm sie als Beweis für den weltweit bei Kindern verbreiteten Spieltrieb, doch mit diesem Beispiel zeigte er ungewollt auch, dass das Glück spielender Kinder nicht die Greencard für glückliche Erwachsene ist. Clinton kann nicht glücklich sein, wenn sie so denkt und agiert, wie sie es unverhohlen tut.

Sollen wir deshalb also weniger Wert und Gewicht auf das Spiel der Kinder legen? Keineswegs, wenn man mich fragt. Aber man muss sich klar darüber sein, dass das Spiel anscheinend nicht genügt, um aus uns veantwortungsvolle und ethisch vorbildliche Menschen zu machen.