Strippenzieher

Wer kennt schon Joseph Fouché? Er war im gleichen Jahr zur Welt gekommen wie Friedrich Schiller und wie dieser ein glühender Vertreter der Französoischen Revolution.

Doch anders als Schiller, der, teilweise durch Anregung Goethes, von den blutrünstigen Umwälzungen in Frankreich Abstand nahm, ritt Foché unangefochten, vielleicht nicht immer unangefochten, aber ungefährdet, eine Umsturzwelle nach der anderen.

Der wenig bekannte Politiker agierte und agitierte stets aus dem Hintergrund. Er machte mit Robespierre und später mit Napoleon gemeinsame Sache und sorgte gleichzeitig für deren Überwachung, oft, wie bei Robespierre, sogar für ihren Tod. Er wurde unter den verschiedensten Regierungen immer wieder neu als Polizeiminister eingesetzt und nutzte die damit verbundene unermessliche Macht, um seine Mitarbeiter, Untergebenen und mit viel Geschick auch seine Vorgesetzten bespitzeln zu lassen. Obwohl immer wieder beargwöhnt und strafversetzt, überlebte er nicht nur die heikelsten politischen Gemengelagen, er baute auch einen frankreich–, ja europaweiten Geheimdienst auf und bereicherte sich privat an dieser exponentiell wachsenden Institution in einem Ausmaß, dass er gegen Ende seines Lebens zu den reichsten Männern seiner Zeit gehörte.

Stefan Zweig schrieb ein Buch über Foché. Der Untertitel dieses Buches lautet: Bildnis eines politischen Menschen. Für Zweig sind die wirklich einflussreichen Politiker in aller Regel Strippenzieher im Hintergrund, charakterlose Machttypen mit Ressentiment und einem wendehalsigen Charakter, eigentlich sind es Nicht-Charaktere. Sie können mit allen gut Kirschen essen, tun so, als sollten wir mit ihnen Pferde stehlen, und reiten elegant die nächste Welle, während alle anderen schon lange aus dem Sattel geworfen sind, entmachtet, überstimmt und, zu Zeiten der Französischen Revolution, wo oft genug die Köpfe rollten, tot.

Foché war kein Mensch mit Gegensätzen, sondern ein in allen Gegensätzen heimischer Unmensch, mal Revolutionär, mal auf der Seite des Königs, er verstand sich selbst als Kommunist und vermachte seinen fünf Kindern gigantische Geldsummen und andere Schätze. Vor allem aber: Er blieb im Hintergrund und kümmerte sich in jeder Lebenssituation vor allem um eins, nämlich um die umfassende Sicherung seiner und seiner Familie Machtposition.

Fochés Art von Wendehalsigkeit, öffentlicher Unerkennbarkeit und Opportunismus war für den Dichter Stefan Zweig, der schließlich wegen solcher Figuren seinem Leben ein Ende setzte, das, was wir uns unter einem Politiker vorzustellen hätten.

Hat uns Zweig damit das wahre Gesicht von Politikern gezeigt? Viele und gerade Politiker und Politikerinnen würden dieser Sicht eine andere, moderatere und vielleicht auch differenziertere Sicht entgegenstellen. Ich für mich muss sagen, dass mich dieses Buch durchaus interessiert und ich habe mir vorgenommen, es gründlich zu lesen.

Wenn ich es hinausgelesen habe, kann ich mehr zu dieser Frage sagen, doch vorerst grüße ich,

herzlich