Tödlicher Dataismus

Der Dadaisums ist, anders als der Dataismus, voller Vernunft. Die Zeit des Dada ist vorbei, heute leben wir in und von Data.

Historiker und Hysterikerinnen wollen neuerdings mit einem Big-Data-Projekt das Vergessen überwinden. Der Furcht, dass mit den letzten Überlebenden des Holocuast das Erinnern an diese Zeit verlorengehen könnte – wollen sie dadurch entgehen, dass sie sämtliche Data, die sie den Aussterbenden vor laufender Kamera abringen, zu einem Meta Data-Satz auflaufen lassen, der alle Antworten zum Holocaust für alle Zeiten parat haben wird. Weil es um den Holocaust geht, wird dieses Trachten der Historikerinnen und Hysteriker für a priori gerechtfertigt betrachtet.

Diese Auffassung von Geschichtswissenschaft provoziert Zorn. Ich lasse die Sache fahren und flüchte zu einem Buch, irgendeinem Buch, egal, zum Beispiel Byung-Chul Han, Kapitalismus und Todestrieb (Matthes & Seitz, Berlin 2020), sagen wir S.18: «Dataismus und künstliche Intelligenz verdinglichen das Denken selbst. Aus Denken wird Rechnen. Lebendige Erinnerungen werden durch maschinelles Gedächtnis ersetzt. Nur die Toten erinnern sich an alles. Serverfarmen sind ein Ort des Todes.»

Serverfarmen sind Farmen, wo kein Leben ist, keine Tiere, nichts…

‹Jah-woll›, hätte mein Papa selig dazu gesagt. Oder hätte er nicht vielleicht doch eher ‹moh-moll› gesagt? Also nicht jah-woll, sondern, seinem Dialekt entsprechend: moh-moll. Auf die Frage, was er damit genau meine, hätte er vermutlich gesagt: «Das habe ich nicht zu wissen, in meinem Alter muss ich das nicht.»

Unser alter Familienzeitzeuge war nie ein Freund von Data und Metaerinnern. Seine Enkel, meine Kinder, haben davon vielleicht etwas geerbt, moh-moll – oder genau nicht, ich als ihr Papa kann und muss das nicht wissen.