Verschwören ersetzt kein Denken

Das Philosophie Magazin ist mitteilsam wie nie zuvor. Es hat so viel zu sagen zu all den neuen Zuständen, Verirrungen, Gefahren, Denkirrtümern der Gegenwart, dass es in den letzten Wochen schon über zwanzig mal einen Newsletter rausgehauen hat. Wir Philosophen frohlocken mit dem neuen Zustand und führen uns als Beispiel der möglichen Lösung an.

So hören wir, es scheine immer wieder, als ob die Verschwörungstheoretiker zur Zeit besonders en vogue seien. Das sei, so das Magazin, allerdings ein Irrtum.

Denn der Kulturwissenschaftler Michael Butter habe herausgefunden, dass dieser Begriff paradoxerweise im Zuge der Aufklärung entstanden sei und zwar als Sinngebungssystem, das durch den Siegeszug des Rationalismus entstanden sei. Das Ding ist also schon zweihundert Jahre alt.

Was sich für eine phjilosophe Erörterung eines Begriffs gehört, leistet dann das Magazin auch tatsächlich, wenn es bemerkt, dass Verschwörungstheorien stets mit pseudowissenschaftlichen Argumenten operierten. Jawoll, ‚pseudowissenschaftlich‘, ‚kryptomethodologisch‘ (also insgeheim mit einer verwirrenden Strategie) ‚quasikausal‘ (sich so gebend, als wären die gemachten Aussagen in sich logisch begründet).  Worte wie „Beweise“, „Dokumente“ oder „Berechnungen“ und „Statistiken“ sind in diesen Gefilden alle sofort mit Gänsefüßchen zu versehen, weil sie irgendwelche Zitate von Verrückten sind.

Das Philosophie Magazin geht immerhin so weit, dass es sämtlichen amerikanische Präsidenten zutraut, sie hätten immer schon an Verschwörungstheorien geglaubt und der gegenwärtige amerikanische Präsident kokettiere sogar regelrecht damit. Weiter geht es aber nicht. Die Frage, inwieweit die ganzen angeführten Gänseblümchenbegriffe den gegenwärtigen Virologiediskurs bestimmten, darüber hören wir leider nichts mehr, da kriegen selbst die Philosophen Angst vor einem weiterführenden Denken.

Ich denke in letzter Zeit, wenn rund um die Welt jetzt aus verschiedensten wissenschaftlichen Lagern behauptet würde, im Chlorophyll seien Energieträger von Schwarzen Löchern entdeckt worden und diese vernichtenden Energien würden sich durch Waldspaziergänger und in geringerer Dosis durch sämtliche Lungenatmer in einer so dramatischen Weise verbreiten, dass zuerst diejenigen Menschen, die tief ein- und auszuatmen gewöhnt seien, Blutkrebs bekämen und in der Folge davon dann auch alle anderen, wenn dies als neue wissenschaftliche Erkenntnis durch die Medien galoppierte, wäre der Wald, der zur Zeit so voller Jogger, Spaziergängerinnen und Hundeausführer und Familienausflügler ist, im Nu restlos leergefegt. Wir alle bekämen einen solchen Heidenschreck vor den neuesten wissenschatlichen Erkenntnissen, dass für einige Wochen keiner und keinem in den Sinn käme, nachzuprüfen, ob diese News eine neue Verschw… seien. Oder blieben ein paar Philosophinnen und Philosopohen nachdenksam wie das Eselein aus Grimms Märchen?! Ich zweifle…