Vom Alltag überfordert

Ich bin vom Alltag überfordert. Von früh bis spät von einem Giganten und Monopolisten verfolgt, erlebe ich bei dieser Verfolgung nur eine Art liebevoller und angepasster Hingewandtheit zu meinen Interessen und das Ganze in Form einer superschnellen Dienstleistung, kostenlos und ohne Folgen, auf den ersten Blick jedenfalls, und fürs Gefühl. Die Monopolisten an meiner Ferse haben einen einzigen kleinen Fehler, es ist der Fehler, dass sie die Gewinne, die sie mit dieser Dienstleistung einstreichen, gänzlich in die eigene Tasche stecken und nicht verstehen können, dass andere auch einen Anteil daran haben wollen.

In diesen Tagen ist was los in Australien und damit wird die Sache konkret. Das Land ist weit weg, doch es stellt sich einem Problem, das auch in Europa längst ein Problem ist. Es will etwas vom Kuchen haben, den diese Glücksbringer bisher ganz für sich behalten. Die australische Regierung streitet mit Google und will die Firma dazu zwingen, Medienhäusern, von denen sie Daten abschöpfen, Verwertungsgebühren zu bezahlen. Google denkt nicht daran und droht nicht nur mit Bestrafungen, sondern hat auch schon solche eingeleitet, als kleines Experiment und um zu zeigen, wie schnell die Regierung in Misskredit gerät, wenn Google dem einen oder anderen Medienkonzern seine Dienste abstellt.

Mich interessiert auch bei dieser Schlacht zuallererst die Frage, wie ich eventuell in sie verstrickt bin. Und das bin ich mal wieder in einem deprimierend massiven Ausmaß. Allein um mich für diese paar Zeilen schlau zu machen, habe ich selbstverständlich gegooglet. Dabei merke ich, dass ich das gar nicht so schlimm finde (schlimm), die Suchmaschine ist groß, schnell, und sie scheint mich auch in Ruhe zu lassen (was für eine Verblendung). Das ist doch nicht mein Problem, wenn sie so viel Geld verdient, ich bin froh, dass ich nicht zu viel Geld habe (eine Art Egoismus). Und was die auf mein Konsumverhalten abgestimmten Angebote beim Suchen selbst betrifft, halte ich mich, wie jeder einigemaßen kluge Mensch, für selbständig genug, so dass ich doch von den Google-Algorithmen unabhängig und unbeeinflussbar bin (die pure Fehleinschätzung).

Mein gerade eben erkannter Kettentrugschluss offenbart sich als solcher genau dann in Reinkultur, wenn aus solchen Kämpfen, wie sie gerade zwischen der australischen Regierung und diesem mächtigen amerikanischen Unternehmen toben, für mich spürbare Konsequenzen folgen, Konsequenzen, die an meinen übers Netz bezogenen Selbstwert havarieren.

Ob es dieses Mal schon dazu kommt? Vielleicht nicht, doch das Problem ist da und wird eine Lösung herbeizwingen, früher oder später, aber nicht mehr in endlos weiten Fernen. Und die Regierungen werden weiter versuchen, den Fuß reinzubekommen. Vor allem aber, und das ist das vielleicht größte Lernfeld, das sich auftut, die Gewinne werden nicht selbstredend immer weiter steigen, egal wie optimal es für die Konzerne laufen mag. Und wenn dies eintritt, spätestens dann werden neue Ideen entwickelt. Auch wie dumm sind doch eigentlich diese so klugen Leute, die immer alles checken, aber das Nächstliegende nicht erkennen.