Einfach mal erziehen

Die Zeit ist wieder da, wo Gärten, Vorgärten, Schrebergärten und Gemeinschaftsgärten in Pflege genommen werden. Beete werden vorbereitet, Samen eingestreut, die Erde sieht geordnet aus, dem so genannten Unkraut wird aus diesen und jenen Gründen der Kampf angesagt.

Es wird gezogen  und erzogen, neue Rüben, frische Kartoffeln, Lauch, Blumen an den Gemüsebeeträndern, Salate.

Nur unweit von den Gärten sind weitere Erzieher zugange. Die mit den Hunden. Die mit ihren an Hundeleinen und ohne diese laufenden Hunden. Begnadete Weggucker oft, nicht alle, aber mehr als ich gedacht habe. Es sind deshalb mehr als gedacht, weil es alle die gibt, die sehr früh am Morgen und sehr spät am Abend mit ihren Haustieren Gassi gehen und die auf ihren Gängen über das Leben nachdenken und vergessen hinzusehen, war ihr Hund macht. Sie glauben noch ein bisschen an Wunder so nach dem Motto: Es war gut, dass wir draußen waren, irgendwie ist Hundi wieder zufrieden und entspannt, und wenn ichs mir so zurechtlege, gesehen hab ich eigentlich nichts und wegräumen musste ich auch nichts. Na, du bist halt ein Schatz.

Was alles so liegenblieb, war vor wenigen Wochen eindrucksvoll an den gepressten, langsam wegschmelzenden Schneehaufen an den Wegrändern zu sehen, der Schnee durchgehend gelb und massenweise braun, Hundeerinnerungen als Laufmeterware. Ich hätte gern in den Himmel geguckt statt in diesen Schneee, wenn ich nicht Sorge um meine Schuhe gehabt hätte.

Dass die Hunde nicht auf andere Leute zugehen und schwanzwedeld an ihnen hochspringen, ist den Erziehungsmethoden der Hundebesitzerinnen geschuldet. Sie haben meist eine ihrer Hände in einer ihrer Taschen, in Mantel oder Hose, dort gibt es die Leckerli oder Lobverstärker. Wenn ich mich als Spaziergänger oder Jogger  nähere, gibt es einen kurzen Ruf. Hundi, nicht dumm, ahnt die Chance auf Naschwerk, setzt sich mit Blick auf das Herrchen brav vor dieses hin und verharrt so lange, bis ich vorbei bin. Etwa dann, wenn ich auf der Höhe des ungleichen Paars den Weg passiere, es ist der Moment der größten ‹Gefahr›, wird der Hund für seinen Gehorsam belohnt. Dann darf sich das gut dressierte Wesen wieder aufmachen und es schlonzt im Davonschleichen zufrieden seinen Minikeks zwischen den Backenzähnen.

Sie, die Menschen, lieben es zu erziehen, in den Gärten, an den Gärtenrändern, in den Kindergärten, in der Schule, an den Universitäten, in der Armee und in der Lehre.

Später, wenn wir zu mündigen Staatsbürgern entlassen sind, ist es alles andere als leicht, das Erziehungswesen abzuschüttlen, dieses absolut verinnerlichte Wesen, das sich nicht nur als staatliche Einrichtung mit Ministerien und Ämtern und allem drum und dran gebiert, sondern auch als unser eigenes Wesen.

Da ist noch was drin, ich meine, da gibt es noch zu lernen.