Vorschlag zu Sichtschneise

Mit dem Begriff ‚Kollapsologie‘ wurden in den vergangenen Jahren in Frankreich Bestseller geschrieben. Die Filmindustrie arbeitet seit Jahrzehnten mit finalen Untergangsszenarien. Sigmund Freud hat in Wien, der Stadt der Todessehnsucht, vor hundert Jahren, als es die Filmlobby und das neue, in Frankreich etablierte Modewort noch längst nicht gab, als hervorstechendstes Merkmal des Menschen den Todestrieb über alle andere Triebe herausgehoben.

Kein Wunder, dass es so in der Welt zugeht, wie es inzwischen zugeht. Man will ja mal seine Gedanken bestätigt wissen und sehen, dass sie die Welt gestalten. Marc Aurel hat einmal gesagt, man finde genau die Welt vor, die man sich vorstelle. Schlechte Vorstellungen – schlechte Welt, gute Vorstellungen – gute Welt. Was heißt da: «schon Marc Aurel»?! Das Sprichwort einer ägyptischen Inschrift lautet: Ein Wort hat schon größere Weltreiche zerstört als große Kriege.

Im Zeitalter der Infodemie ist es vielleicht erlaubt, mit einem weiteren wissenschaftlichen Begriff eine Bresche für eine andere Sichtweise der Welt zu schlagen: RESILIENZOLOGIE. Eine Wissenschaft, verwandt mit der in Vergessenheit geratenen Immunologie, ein Hischauen zu und Sammeln von Ereignissen, die alle Prognosen negativer Vollzüge Lügen strafen. Seelisch intakte Menschen, die in ihrer Biografie keinerlei Bedingungen für Unversehrtheit hatten, dies ist immer wieder zu hören von der Resilienzforschung, erstaunlich positive Ergebnisse trotz verheerend negativer Vorzeichen. 

Die Resizenzologie trägt akribisch zusammen, was es an Frohbotschaften all der vielen über sich hinauswachsenden Menschen, Menschengruppen, Gemeinschaften zusammenzutragen, zu berichten und dann in wissenschaftliche Cluster ineinander zu denken gibt. Das ist Zukunftsforschung, die mit Zukunft rechnet!

Überwindung des Todestriebs, wie oft tun wir dies nicht schon aus uns heraus, um nur ein erstaunliches, gegen Freuds Favorisierung dieses Triebes argumentierendes Beispiel zu erzählen: Die Nichtausübung von Vorstellungen, eine Ungerechtigkeit mit Blut und höllischer Vergeltung zu ahnden, ist unendlich viel häufiger als der Amoklauf, allein schon an diesem Punkt wäre resilienzologisch unendlich viel pro homo herauszuschinden.

Resilienzologie, ernsthaft betrieben, könnte zu einer Wissenschaft werden, die die Fallen des Zahlenglaubens, der Statistiken und algoritmischen Zwänge abzuschütteln vermöchte und die Kategorie des Wunders, gar vielleicht des Engelwirkens auf das Feld ernsthaften Forschens holte.