Wäsche waschen

Wäsche waschen funktioniert heute übrigens als Geschehen von Punkt zu Punkt, begleitet von viel Lärm. Wäsche in die Waschtrommel rein, Programm abspulen, aus der Waschmaschine raus und in den Tumbler hinein, erneut viel Lärm, Einengung, Umdrehungen, Tempo, Hitze, Kälte, auf die Minute berechenbar, laut aber berechenbar, vor allem dies.

Früher war das Wäschewaschen ein Atmungsgeschehen zwischen Punkt und Umkreis, wenn irgend möglich bei schönem Wetter. Das nasse Kleidungsstück wurde geknetet, geschwungen, gewrungen. Dann kam es ausgebreitet an die Sonne, atmete gute Luft, sog die Sonne ein, ging aus dem Zustand der Verdichtung unter den hohen Himmel nach draußen und atmete den Duft der Welt bis tief hinein in die Poren und Fasern des Stoffes. 

Ja, klar, wer der Wäsche so viel Gutes angedeihen ließ und die eigene Lebenszeit dafür hergeben musste, das waren die Frauen. – Weit gefehlt also, diese längst vergangenen Zeiten herbeizusehnen.

Und bitte jetzt keine Rückschlüsse auf das globale Reizwort der Zeit. Doch die Parallelen sind frappierend. Hier wie dort wird mit Zahlen ein Geist beschworen, um mit ihm alle anderen Geister in die Schranken zu weisen. Maschinen herrschen über unsere Geschicke, sie verzichten auf die ihnen übergeordneten Zusammenhänge. Die Wäsche kommt nicht mehr raus, wir Menschen zur Zeit auch nicht. Ob die Wäschetrommel oder der Tumbler oder die vier Wände zu Hause, überall ein Gefühl klaustrophobischer Enge, Taktung, Einschränkung. Wer denkt noch daran, dass nach dem Fötendasein der Wäsche die Ausatmung dran ist mit viel Sonnenlicht, Vögeln, Lüftchen, Farben, Düften, kosmischen Umarmungen, Jahreszeiten. Brauch de Wäsch scho lang nich mehh. Brauche wir Mensch och bald nich mehh…

Gesetzt wir müssten, würden wir es als Menschen dann schaffen, so zu werden wie es unsere Wäsche schon lange ist? Lassen wir uns wie sie in dunkle, eingedrehte Kammern schließen? Sauber wie sie? Der Welt entfremdet wie sie? Steril und keimfrei wie sie? Ohne Leben wie sie?