Wahnsinnslager

Sie haben ein Lagerbewusstsein, ein Lagerfeuerbewusstsein. Das Feuer, um das sie sich scharen, ist viereckig und voller Lichtdioden. Ich rede von den so genannten Vertretern der vierten technischen Revolution, der KI-Revolution. Unsere bisherige Welt ist für sie eine «Broken Realitiy», Stückwerk, zu einem gut Teil misslungen. Höchste Zeit, dass ihre Hightech-Realitiy, mit der sie nicht nur unsere Welt, sondern uns selbst in perfekte Organismen verwandeln, einziehen wird.

Perfektion ist das eine Lieblingswort, Unsterblichkeit das andere. Wenn es nach Maßgabe der Bessere-Welt-Designer geht, werden wir Kinder haben, die leiblich, seelisch und kognitiv unsere absoluten Wunschkinder sein werden, weil sie genau so programmiert und geprintet werden können, wie wir sie in Auftrag geben. Und dann, noch besser, wir werden uns auch vom Tod befreien, ihn endlich überwinden, das ist der Plan.

Sie wollen Gott abschaffen, obe es ihn gibt oder nicht. Er wird sich vor dem Algorithmus, den sie gegen ihn loslassen, so sehr benachteiligt fühlen und so angrundtief schämen, dass er sich schleunigst abschaffen wird. Der neue Gott ist ein Gott der Menschen, genauer desjenigen Menschen, der als erster den Algorithmus hat. Und er wird der glücklichste Mensche auf der Erde sein, auch wenn ihn dieser neue Gott vernichten sollte.

Das ist die Situation anderen Ende der Skala der Extreme des US-amerikanischen Traums. Am einen Ende der Selbstversorger in den nordamerikanischen Wäldern, der nichts als einen Hund an seiner Seite braucht und als Jäger und Sammler sein Glück macht, am anderen Ende die in eine mit Blockchains vernetzte Kunstwelt verlinkte Gesellschaft, die über ein gigantisches Strom- und PC-Netz verkabelt in Smart Cities und mit implantierten Chips von der Fingerspitze bis unter die Zirbeldrüse dem digitalen Zugriff ausgeliefert ist. Auch bei diesem Traum läuft alles auf das Glück hinaus, dem wir im Leben sonst vergeblich nachrennen.

Ich kann diese beiden Pole des Glücks neidlos betrachten, denke, dass mich nichts davon wirklich glücklich machen würde. Um allerdings nicht ganz unglücklich zu werden, bin ich, sind wir darauf angewiesen, dass die neuen Glückritter ihre Kelche an denen, die sie nicht brauchen, vorbeigehen lassen. Wir Menschen sollten doch auch in Zukunft über das, was wir unser Glück nennen, selbst entscheiden können.