Es ist wie beim Sex

Heute ist es mit der Meinungsbildung ein bisschen wie mit dem Sex: Die Leute sind damit fertig, bevor sie richtig angefangen haben.

Das ist, wie soll ich sagen, schlimm. Ja, schlimm. Es ist deshalb schlimm, weil falsche Lebensbilder und Bedürfnisse entstehen. Statt mit verschiedenen Meinungen nebeneinander zu leben, wird vorschnell abgegrenzt – oder aufgerüstet, zwei Worte für das Gleiche. Statt den gesunden Menschenverstand walten zu lassen, macht sich sofort Kampfstimmung breit, wenn jemand seine Meinung kundtut.

‹Kampfstimmung› beim Meinen,  ‹Kampfstimmung› beim Sex, auch auf diesem Feld stehen wir unversehens in einer Kapfarena, statt dass wir diese schöne Sache zum Tüpfchen auf dem ‹i› gekonnter und bejahender Lebensführung machen.

Parallel zur Slow-Bakery und zum Slow-Food ist die Slow-Sex-Bewegung entstanden. Na ja, vorderhand ist es noch keine wirkliche Bewegung. Das Schneller, Härter, Immer-Und-Zu-Jeder-Zeit und So-Viel-Wie-Möglich-Jetzt ist um einiges attraktiver in unserem schnelllebigen Miteinander, doch immerhin, es gibt sie. 

Was es ganz dringend geben müsste, wäre die so genannte Slow-Meinungsmache. Hau nicht gleich drauf, wenn jemand eine andere Meinung hat. Er oder sie wird dir schon nicht die Butter vom Brötchen klauen. Und wenn doch, dann halte die andere Wange hin, Hauptsache das Brötchen bleibt in Deiner Hand.

Herzlich