Wie ein Spaltpilz

Mein Denken? Ein Spaltpilz? Papperlapapp! Niemals. Auch wenn das ein berühmter Mann gesagt hat, will ich damit nichts zu tun haben!

Er hat ja nicht direkt gesagt, das Denken sei ein Spaltpilz, er hat gesagt, das Denken bewirke etwas und sage dann «ich war’s nicht». Das klingt denn doch ein bisschen moderater. Der so sprach, heitß David Bohm, er hielt unser Denken für den Grund, dass unsere Welt so aussieht, wie sie inzwischen aussieht, verbaut, versaut, zur Wüste gemacht, laut, stinkig, unschön, lebensfeindlich, mit immer mehr Technik umstellt. Das sei alles die Folge eines Denkens, unseres aufgeklärten neuzeitlichen und fragmentierten Denkens.

Die Kritik ist heftig und Bohm formulierte sie bereits von fünfzig Jahren so und ähnlich. «Das Denken bewirkt etwas, sagt aber, ich war’s nicht.» In diesem Sinne Spaltpilz, aha, verstehe. Eine Art Katze, die sich in den Schwanz beißt, jedoch nicht aus Spieltrieb, sondern aus einer Art Präzisionszwang und Überredungszwang. Es denkt und denkt und reproduziert und loaded down und gerät in seine eigenen Schlaufen und Redundanzen und Wiederholungen und schon reagiert es nicht als Lebensbewegung im Geiste auf Lebensbewegungen aus dem vielschichtigen Alltag, neigt zu Fehlleistungen, verinnerlicht und verteidigt diese Fehlleistungen, stiftet zu Fehlern an, die irgendwann plötzlich offensichtlich sind und sagt dann, na da hat aber jemand ganz schön Mist gebaut, aber ich war’s jedenfalls nicht. Ich bin ja nur eine Aneinanderkettung von Gedanken, ein Endergebnis vernetzter elektrischer Impulse aus meinem Gehirn.

Und weil mein Denken es nicht war, war ich selber es auch nicht und weil jeder ja nur irgendwie denkt, ist dann keiner verantwortlich dafür, wie die Welt heute aussieht. Ja noch schlimmer, er oder sie benutzt das Denken, das die Welt zu dieser Welt gemacht hat, um das, was aus der Welt geworden ist, anderen vorzuwerfen, ihrem Tun und vielleicht noch ihrem hinter diesem Tun versteckten Denken. Doch auch dieses, also deren Denken wiederholt dasselbe, was mein Denken in solchen Fällen immer sagt: «Ich war’s nicht».

Ist es möglich, aus dieser Repetierschlaufe herauszukommen? Wie, wenn das nicht möglich wäre? Wo aber kriege ich Licht in die Sache, wo kriege ich einen Spalt auf bei meinem ach so schnellen, ach so vermeintlich unschuldigen Denken?