Woher kommt die Musik?

Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand. Oder genau genommen in den Kindern, in ihrer Stimme. In der Stimme eines Vorschulkinds erklingt die Antwort auf die Frage, wo die Musik herkommt.

Ich saß heute unten in meinem Arbeitszimmer und war mit dem Schreiben zugange, da klingelte es oben an der Haustür und kurz danach hörte ich die glockenhelle Stimme von einem vierjährigen Mädchen. Überraschungsbesuch. «Komm mal hoch, schnell», hörte ich es rufen und verließ sofort den Schreibtisch. Obwohl ich sofort losging, dauerte es eine Weile, bis ich aus dem Raum getreten, durch den dunklen Kellergang getorkelt und die Treppe hochgeklettert war. Und genau in dieser Zeit wurde mir klar, warum mich die klare, reine Stimme des daherschwatzenden Mädchens an den Ursprung der Musik erinnerte.

Beide, die Stimme dieses Mädchen wie die Tonleitern der Musik, kommen direkt aus dem Himmel. Deshalb schrieb man vor Jahrhunderten die Tonleitern von oben nach unten, aus dem Kosmos sich zu uns auf die Erde ereignend, entrollend, erklingend. Und aus dem gleichen Herzensgrund sind Kinderstimmen im Kleinkindalter hoch und steigen dann allmählich ganz langsam in tiefere Regionen ab, Erdennähe suchend. 

Und ich, der ich so irdisch, ja während meiner Arbeit sogar unterirdisch geworden bin, werde mitten in meinem morgendlichen Trott aus horizontalen Gedanken aufgescheucht und dorthin gelockt, wo der Schleier des Goldenen Zeitalters spricht und musiziert.

Es ist ein Leichtes, die Stimme kleiner Kinder als Verkündigung von Musik zu hören, weltweit, global wie wir heute sagen.

Morgen besucht uns das Mädchen mit seiner Mutter und seinem Brüderchen zum Mittagessen. «Können wir machen», hatte es geträllert, als wir den Vorschlag machten, dass wir uns morgen gleich wiedersehen.

In Vorfreude, herzlich