«Wunschbräune»

Wie der Himmel aufgetan hat! Mein Joggingtag heute wird eine Sensation, so viel Licht, Luft, Freude. Solche herbstwarmen Waldschatten, sonnendurchglänzt!! Wenn ich nicht schon Dichter wäre, würde ich heute einer werden.

Ehrlich, irgendwie läuft sich’s wie von selbst.

Als ich die große Straße zum Schloss hoch überqueren will, fährt vor meinen Augen ein beige-hellbraun-dunkelbraun changierender Ford Fiesta Cabrio vorbei, ekelhaft schön, wie ein Tigernacktschnecke auf Rädern. Auf dem Heck lese ich in großen, über der hinteren Stoßstange hingebreiteten, kackbraunen Lettern die Werbung eines Solarstudios: Wunschbräune.

Vor mich hinlaufend überlege ich, ob ich auf die Frage nach meiner Wunschbräune eine Antwort für die Empfangsdame oder den Empfangsherrn im Studio parat hätte und will gerade zu schmunzeln beginnen, obwohl mir eher nach Grimassen à la Emil Zatopek zu Mute ist. Da machen meine Füße, ohne dass ich hinguckte, einen Satz und ich sehe mich über einen dicken Hundehaufen hinwegspringen, der von einem Fahrradreifen mittendurch plattgewalzt und doppelhälftig in die Breite gedrückt wurde.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten, sagt mir mein mitlaufender Menschenverstand und ich lasse die Frage nach meiner Wunschbräune fallen. Vermutlich werde ich nie vor die Tatsache gestellt, auf diese Frage eine Antwort parat haben zu müssen. – Oder täusche ich mich, angesichts der allgemeinen Unsicherheit des Lebens, wie es überall um sich greift?

Lassen wir das Thema auf sich beruhen und erheben wir den Blick zum Himmel, herrlich, wie saftblau er tief in den Kosmos ragt und Ahnungen verkündet. Wenn wir eine Erhebung anstellen würden über den Grad der Erholung, den unser lieber Himmel in den letzten Monaten hinter sich brachte, würde uns wohler ums Herz als angesichts dieser immer gleichen Zahlen aus irgendwelchen Statistikinstituten.

Soviel für heute, herzlich