«Zahlenhexe»

Es gibt Sprachen, die ohne das Wort ‹Ich› auskommen. Andere Sprachen kommen ohne Hinweise auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aus. Wieder andere haben für eine Farbe viele Namen und so weiter.

Und dann gibt es nochmals andere Sprachen, die sich keine neuen Wörter aneignen. Und wenn sie nicht drumherum kommen, übersetzen sie das Wort in alte Bilder, die in ihrer Kultur etwas aussagen. Das Wort ‹Computer› wird, wie mir gesagt wurde (und zwar von Gerhard Polt, siehe Polt ab Minute 24), von der isländischen Sprache abgelehnt. Wenn in Island jemand vo einem Computer spreche, sage er ‹Zahlenhexe›.Irgendwie sehen Isländer in diesem Gerät etwas Verhextes, wie die ersten Eingeborenen in den Fotoapparaten etwas Verhextes sahen und meinten, wer da hineingucke, müsse sterben.

Was ist lebensnäher, die Flut von Amerikanismen oder die Verweigerung ihrer Wortschöpfungen durch Indigene? Aus der Übersetzung des Wortes ‹Computer› in ‹Zahlenhexe› könnte nahelegen, dass indigene oder naturnahe Menschen noch ein Gefühl für das Wesen gewisser Erscheinungen haben, was leider nicht mehr für alle Menschen zutrifft, schon lange nicht mehr. So erkennt die isländische Sprache, könnten wir sagen, im Computer etwas Verhextes. Hingegen Städter und weltfremde Utopisten, wie ich mir an dieser Stelle die Transhumanisten zu nennen erlaube, sehen in den algorithmisch betriebenen Rechnern, ihren vergötterten Computern, ein nie dagewesenes Heil auf der Erde, ein von Menschen, beziehungsweise Algorithem gemachtes Paradies.