Zátopek, Zátopek…

Auf die Frage, warum er beim Laufen Grimassen schneide, sagte Emil Zátopek, er könne nicht schnell laufen und gleichzeitig auch noch dafür sorgen, dass er keine Grimassen mache. Der tschechische Langstreckenläufer wurde für seine Sprüche geliebt.

Beim Marathonlauf 1952 bei den olympischen Spielen in Helsinki rannte Zátopek wie immer mit schrecklich verzerrtem Gesicht und hochgezogenen Schultern. In der Endphase des Rennens machte er mit dem Kameramann, der auf dem Motorrad neben ihm hergefahren wurde, seine Späßchen. Er gab ihm mit seinen Armen zu verstehen, dass er sich am Motorrad  festhalten wolle, dies würde das schwere Vorankommen für ihn sichtlich erleichtern.

Als ich das sah, runzelte ich die Stirnfalten. Doch es wurde noch schlimmer. Als Zátopek einige Kilometer vor dem Ziel knapp hinter dem ersten Läufer hundertachtzig Grad um eine Wendeboie herumlief, berührte er kurz den bei der Boie stehenden Kontrolleur mit der linken Hand und hielt ihn einen Augenblick fest, indem er sich an ihm um die Boie schwang. Mir fiel fast das Herz in die Hosen. Heute würde man dich dafür disqualifizieren, dachte ich.

Und ich fragte mich: Wie würde es Emil Zátopek heute ergehen, wenn er sich den gleichen Auflagen ausgesetzt sähe wie wir sie täglich über uns ergehen lassen? Würde er die Maskenpflicht boykottieren? Würden wir sein Grimassenschneiden, sein Mitten-Im-Rennen-Leute-Anfassen noch dulden? Darf es heute noch solche Zátopeks geben?

Nachdenksam grüßt