Zehn Bruderhähne – ein Märchen

Ich fand schon den Coronawitz nicht sofort einsichtig, als die junge Frau, die im Bioladen vor den Eiern stand und bei der Aufschrift «garantiert freier Auslauf» zu weinen anfing. Aha, klar, sie erlebt zur Zeit ihr Zuhause als Gefängnis, fühlt sich eingesperrt und darf nur noch zum Einkaufen raus und nun wird ihr noch das glückliche Leben von Freilaufhühnern aufgedrückt. Gemein, so was.

Und heute ich im Bioladen. Ich lese: «Bio-Eier 10 Stück garabtierte Aufzucht der Bruderhähne» und fühle mich ertappt. Ja, da gibt es die Debatte um die geschredderten Hähnchen, das wirds wohl sein. Aber ‹Bruderhähne›? Brüder von Hähnen oder Hennen? Es ist die Debatte um die Hähnchen in der Aufzucht, die schon an ihrem ersten Lebenstag als solche erkannt, separiert und aus Rentabilitätsgründen getötet werden. Geschreddert, wie es die Landschaftsgärtnerinnen elegant ausdrücken. Und da gibt es jetzt Richtlinien und die einen Länder tricksen so und die anderen so und ich bin froh, wenn ich meine Eier habe. Die braucht es einfach, wenn man Kuchen essen will statt immer nur Brot.

Wegen des Worts «Bruderhähne» war ich auch deshalb irritiert, weil auf der Zehnerpackung auf dem Tisch vor mir ein  sympathisches Foto aufgeklebt war mit zwei weißen, na, ich konnte sie wegen ihrer Pracht fast gar nicht erkennen. Auf den ersten Blick jedenfalls nicht. Überaus schön war der weiße Hahn neben der weißen Henne und die Henne war so groß und mit einem solchen aufgebauschten Kamm geschmückt, dass ich sie mit einem Hahn verwechselte. Zwei Bruderhähne, ah, so sehen die aus, dachte ich. Stand ja auch auf der Schachtel, garantierte Bruderhähne, also müssen das jetzt wohl zwei solche Exemplare sein.

Nun, ich habe bis hierher bestimmt schon mehrere Gender-Fettnäpfchen plattgetreten, deshalb hier nur noch dies: Die Eier sind haltbar bis mindestens 25. Februar. Ich nehm‘ sie, das passt. Eier von wem nun schon wieder? Nein, nicht weiter hier, sonst kommt mir noch Toni Kroos in den Sinn, der bei der letzten Fußball-WM kurz vor dem Ausscheiden seiner mickrigen Deutschlandelf in der Verlängerung einen Freistoß versenkte und, wenn ich mich recht erinnere, ein Unentschieden damit herausholte. Als ihn der Fernsehreporter nach dem Spiel auf das schlechte Spiel der Mannschaft ansprach, sagte er: «Na, man muss aber auch die Eier haben, einen solchen Freistoß zu verwerten.» 

Ein anderes Thema, zugegeben, sagt, mit Gruß

 

 

werden aufgrund mangelnder Rentabilität der Mast von auf Legeleistung gezüchteten Tieren separiert und getötet