Zurück

Die zwei zeitlosen Wochen in den Bergen zwischen Steinen, am Wind, unter unscheinbaren, in der alpinen Sonne glänzenden Pflänzchen, die darauf warten, dass ich sie im Vorbeigehen anschaue, sind vorbei. Ich bin wieder zurück.

Bevor ich aufbrach, hörte ich noch von Fachleuten, die Alpen seien tot, kaputt, vorbei. Bald seien die letzten Gletscher abgeschmolzen, bald würde sich der Permafrost so aufheizen, dass die durch ihn zusammengehaltenen Berge in sich zusammenfallen und die unter ihnen befindlichen Täler mit all den Häusern und Menschen zugeschüttet würden. Ja, ja ja ja ja. Ne, ne ne ne ne.

Ich traf Licht an, Veränderung, Yakherden im Berner Oberland, friedlich, Heimischheit ausstrahlend, ich grüßte alpine Flora, wir gingen über Gletscher und Schnee, über eine Steinvielfalt unter den Schuhen, als würde vor unseren Augen ein Film ablaufen: der Krimi unserer in Stein gemeißelten Evolution.

Vielleicht geht es ohne Katastrophen nicht, manchmal denke ich, dass es nicht ohne sie gehen wird, beziehungsweise sie sind voll da, doch wenn schon Katastrophen, dann sollten sie sich im Denken über uns abspielen, nicht in Besserwissereien über die Welt, die Natur, die anderen!

Ob die Alpen am Ende seien, darüber können wir spekulieren. Und viele tun’s und lieben das. Mit solchen Spekulationen lässt sich leicht leben – mich dünkt es ein am Leben Vorbeileben. Denken ist das nicht. Das Denken der Alpen hat anderes zu tun als über ein solches Ende nachzudenken. Das Denken der Natur spricht weiterhin seine Sprache, wir Menschen mögen noch so sehr dazwischenfunken.

Die Alpen – ein Kunstwerk. Wir müssen dafür sorgen, dass wir zum Kunstwerk werden, die Alpen sind schon eins. Nicht der Tod der Alpen hat uns zu interessieren, sondern unser eigenes Denken, das unsere Gefühle und Handlungen umfasst.

Damit bin ich wieder bei den Buchstaben, Leerzeichen, Worten, Sätzen und Nebensätzen angekommen, wie sie in diesem weltfremden Medium vorherrschen.

Gruß aus Kassel, der Stadt der Stadtverwaldung,