«Zuversichtlichkeit»

«Ich bin zuversichtlich», sagte mir kürzlich eine ans Bett gefesselte, gelähmte, von einer Hirnblutung niedergestreckte Frau. «Ich denke über Wörter nach, zum Beispiel über das Wort ‹Zuversicht›», ergänzte sie.

Zwischen «zuversichtlich» und «Zuversicht» besteht ein Unterschied. Ein noch größerer Unterschied liegt zwischen «Zuversicht» und «Zuversichtlichkeit». Wenn ich entscheiden müsste, welches der drei Wörter am nächsten bei dem Zustand sei, den ich unter «Zuversicht» verstehe, dann ist es das erstgenannte: «zuversichtlich».

Die Entscheidung kann ich durch eine kurze Betrachtung eines anderen «Wortnestes» näherbringen. Es geht um «richten», «Richtung» und «Richtigkeit». Das erste Wort transportiert große Lebendigkeit: ich kann als Richter richten und einen Urteilsspruch verkünden, ich kann ein eierndes Rad am Fahrrad richten, indem ich an den Speichen drehe, eine Fahne richtet sich im Wind, ich kann meine Innere Aufrechte in die Höhe richten, überall ein Tun und Geschehen, wo das Wort «richten» mit im Spiel ist. Schon viel gemächlicher geht es zu, wenn es um eine «Richtung« geht, doch dieses Wort transportiert immer noch viel mehr Lebendigkeit als das philosophisch schwere und urbedeutend daherstolzierende Wort «Richtigkeit». Im Mittelalter haben Autoren noch streng unterschieden zwischen «Richtung» als einem lebendigen, viele Optionen offen haltenden Begriff, und «Richtigkeit» (lat.: rectitudo), was schon sehr morallastig und eng daherkommt.

Und so ähnlich ist es mit der missglückten Worterfindung «Zuversichtlichkeit». Eigentlich gar nicht einsehbar, was mit dem Wort gemeint sein könnte, und dies wird in einer Zeit festgestellt, in der wir doch gut bedient wären, wenn uns die Zuversicht bleibt.