Ich schreibe nicht über den Unfall von Lindsey Vonn heute morgen in der Abfahrt der Damen bei Olympia, wie sie es nochmals und endgültig wissen wollte und trotz Kreuzbandriss an den Start ging und um jeden Preis gewinnen wollte, beschreibe nicht ihre aggressive Fahrt vom Start an und nicht den millimeterkleinen Fehler an der Flagge in einer Rechtskurve ganz oben, der einen Sturz auslöste, der ihr wieder weiß Gott was für Verletzungen zugeführt haben wird. Ich lasse den Versuch, ihre Familie unten im Ziel zu beschreiben, den Vater, der schon so viele Unfälle seiner Tochter live miterlebt hat, ich lasse das alles, genaus wie einen Verriss der uns noch bevorstehenden Kommentare über ihr für Spitzensportlerinnen vorangeschrittenes Alter.
Wieso sollte ich es versuchen, in diese Bilder eine Ordnung hineinzubringen, wo ich in meinem eigenen Leben noch keine Ordnung hinbekommen habe. Bei mir schaltete nämlich alles ab, als ich den Wegtransport von der Piste mit einem gelben Hubschrauber am Bildschirm live mitverfolgte. Es schaltete ab und war alles auf Alarm, denn wie sich dieses gelbe Ungetüm mit der Verletzten vor einer hohen senkrechten Felswand im Hintergrund in den Himmel schraubte, war bei mir wieder mal Flimriss und ich war im Land von Lindsey Vonn, wo vor Jahrzehnten – oder war es gestern?! – ein gelber Hubschrauber vor den Wandüberhängen des El Capitan meinen Freund vom Unfallort in den Himmel zog und mich allein zurückließ.
Beim Lesen von Gabor Mathés neuem Buch über Trauma wurde mir wieder so recht bewusst, wie sehr dieses Trauma mit großem «T» mein Leben begleitet und, wenn ich daran arbeite, bedroht.

