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Die Sonne und die platonischen Ideen

Sie ist laut Platon ein Wesen, das uns die Welt gegenständlich macht und uns allen hier auf der Erde das Leben und unser Gedeihen schenkt, immer schon und immerdar, während sie sich selbst weder erhellt noch am Wachstumsgeschenk, das sie uns macht, teilnimmt. Es ist die Sonne mit ihrem Licht und ihrer Wärme.

Thomas Mann kam auf die Idee, das Prinzip der Sonne nicht nach den Gesetzen des Apollinischen zu beschreiben, sondern mit den Kategorien des Dionysischen. Das gibt sicher auch einen Aspekt des Sonne wieder, einen Aspekt, der sich durchsetzen kann, aber nicht typisch für das ausgewogene Sonnenwirken auf der Erde ist.

Platon war selbstverständlich näher dran als Mann, viel näher, ist doch klar, Mann. Was hat Thomas Mann schon wirklich mit der Sonne zu tun? Diese Frage darf wohl sein, aber lassen wir den Herrn. Platon ist auch bei mir näher dran und deshalb gebe ich hier noch seine Einschätzung der Gesamtlage. Er sah in der Sonne und ihrem Wirken für die Erde die Idee der Wahrheit und des Guten am Werk. Und leicht ist die dritte seiner Ideen im Sonnenwirken zu erkennen, denn das wunderbare, herzerhellende und seelenerwärmende Wirken unserer Sonne steht im Zeichen des Schönen.

Das alles ist seit Jahrtausenden bekannt. Hohe Zeit, sich so intensiv wie möglich wieder daran nicht nur zu erinnern, sondern aufzurichten.

Mit Gruß

Bilder lesen

Wer, wenn nicht Mutter und Kind sind mit der Quelle verbunden, der Möglichkeit nach sind sie es immer, der Wirklichkeit nach sind sie’s oft. Lasst uns gemeinsam hinschauen, wo Licht und Wärme zusammenkommen, gleich wie dunkel es um uns herum sonst ist.

Ich bekam dieses Bild vor einigen Tagen zugeschickt. Der Kommentar, den ich dazu mitgeschickt bekam, spricht für sich: Da hatte jemand, inzwischen erwachsen und alles eher als von der Mutter Sicherheiten umsorgt, da hatte also jemand die Idee, «meine Mutter und mich zu Zeichnen, weil ich dort gehalten werde und so neugierig und vertrauensvoll in die Welt schaue – und ich meiner Mutter dies Bild zu Weihnachten schenken wollte. Mir fielen intuitiv Delfine und Wale ein, die sich in den Falten ihres Kleides und in der Umgebung bildeten. Ich hatte das Bedürfnis, der ganzen Schwere der jetzigen Situation in der Welt Kinderbilder entgegen zu halten, Kindlichkeit oder Unschuld oder was auch immer. Ich wollte auch die Mühe meiner Mutter ehren und würdigen mit der Zeichnung, wir haben ein sehr schwieriges zwiespältiges Verhältnis, doch sie hat mich gehalten und angelächelt und großgezogen.»

Die Zeichnung «Mutter und Kind» ist der Beweis: Bilder sprechen uns direkt und nachvollziehbar an. Worte je nach dem auch. Also nicht nur die Mutter und das Kind, sondern auch die Bilder und die Worte pulsen nah an der Quelle, wenngleich Bilder manchmal verwackelt und Worte indifferent sind. Sollte uns Verwackeltes und Indifferentes begegnen, dann ist es an uns, die passenden Pinselstriche dazuzutun und die noch fehlenden Worte dazu zu erfinden. Ist manchmal leichter als vorschnelle Kritik.

Das merk‘ ich mir und grüße, herzlich

Goethes Herzogin

Es gibt Clubs, da kommt man nicht rein. In der Regel ist das nicht so schlimm, denn wer will schon in gewisse Clubs wirklich reinkommen. Manchmal will jemand allerdings genau dies und dann gibt es Probleme.

Goethe wollte unbedingt in den Club der Adligen. Er gehörte anfangs nicht dazu. Dann wurde er durch den Herzog Carl August geholt. Und spielte in verschiedenen Gremien als Herr Geheimer Rat eine unübersehbare Rolle. Fur den Deutschen Hochadel blieb es dabei, er gehörte nicht dazu. War ein Zwerg. Auch die wichtigen adeligen Damen hielten es so mit ihm. Wenn ihnen was nicht passte, ging es ihm fast so übel wie dem armen Lenz oder Hölderlin.

Ursprünglich gehörte der geniale Goethe zum Frankfurter Bürgertum. Oberer Mittelstand, nicht mehr. Reicher Papa, reiche Mama, das schon, auch in summa Einzelkind, trotz Schwester Cornelia, aber die zählte nicht viel. Und war früh gestorben. Goethes Gehalt in Weimar war das höchste Mittelstandsgehalt, wenn wir so sagen wollen.

Nun, wie gesagt, was die Clubs betraf, war selbst bei Goethe nicht viel zu machen. Aber das mit seinem Genie, das war eine andere Sache. Da stand er oben auf dem Podest, ganz oben, weit über dem Hochadel. Zusammen mit Mozart, Schubert, Schiller. Geldmäßig stand er höher, im Ranking der Genies nicht. Und was ist die ganze Latte mit den Namen der großen Adelsgeschlechter gegen die Genies der Kultur? Selbst in England? Das halten wir mal fest.

In der Fürstengruft in Weimar begegnen uns die Gräber der Großen, einiger der Großen Weimars – der Sarg von Lenz ist natürlich nicht dabei. Aber die Särge von Goethe und Schiller. Ärmliche Metallkisten, im Vergleich zum unglaublich viel mehr Würde und Bedeutung ausstrahlenden Sarg der großen Herzogin Anna Amalia. Da zeigen sich die Verhältnisse, in denen sich die Vertreter der Lobby sehen, im wahrlich rechten Licht.

Anders in der Kultur. Wieviel von den heute Lebenden, die Goethe wenigstens dem Namen nach kennen und vielleicht auch noch den einen oder anderen Spruch von ihm, wer von ihnen sagt «kenn‘ ich, na klar», wenn die Frage nach Anna Amalia ginge? Nicht ein Prozent, sag‘ ich. Und die Buchverlage, wie schwer tun sie sich mit einem Buch, das von Herzog Carl August und seinen 60 Jagdhunden handelt, oder von der Herzogin Anna Amalia und ihrer Hochfrisur. Na, sie sind ja nicht zimperlich; mir ist der Buchtitel «Goethes Herzogin. Das Leben der Anna Amalia» in Erinnerung, da hat ein Verleger die Berühmtheit Goethes benützt, um seine vergessene Regionalqueen auf den Markt zu pusten. Da zeigen sich wiederum andere Verhältnisse.

Aber im Leben bleibt es so, und bei der Sargshow auch, da bleiben die ursprünglichen Verhältnisse bestehen, da kommt auch ein Goethe nicht in alle Clubs rein, wie heute ein Donald Trump auch nicht. Hoppla, bitte richtig lesen, ich sehe sonst keine Ähnlichkeiten zwischen den beiden Männern.

Ehrlich nicht, sagt mit Gruß

Des Mittelstands ungeahnte Reserven

Zur Zeit geht die Rede, dass der Mittelstand abgeschafft werde. Die Mächtigen wollten nur Arme! Diese Rede ist nicht neu, wird aber dringlicher diskutiert als noch vor einigen Jahren, und zwar weltweit. Die Großen würden immer größer und unverschämter, der Mittelstand dagegen werde immer ärmer. Verurteilt zum Verschwinden. So ist die Logik.

Sie leuchtet ein, wird aber, wenn üpberhaupt, in Zwischenschritten erfolgen. Einer der Zwischenschritte sind die Rücklagen des so genannten Mittelstand. Es gibt gigantische Rücklagen und die können die Konzerne anscheinend noch lange abmelken. Beweise dafür liegen auf der Hand, allen einsehbar, wenn sie mal auf ihr und ihrer Nachbarn Tun einen Blick werfen.

Es will mir denn doch wohl niemand weismachen, dass die wirklich armen Menschen für Milliarden Dollars, Euro und Pfund bei Amazon bestellen und andere Dienstleister mit Aufträgen vom PC aus zudecken. So lange sich der bedrohte Mittelstand noch immer massenweise Pakete ins Haus liefern lässt, ist es noch einige Zeit hin bis zu seinem Verschwunden-Sein.

Der Mittelstand bereitet sich schon bald 365 Tage im Jahr auf Weihnachten vor, so kommt es mir jedenfalls vor. Und in meine Wut gegen Coronasieger und überhaupt Marktgewinner wie Bezos mischt sich die noch viel größere Wut auf seine Kunden, zu denen mein Freundeskreis, meine Familie, irgendwie fast alle Menschen gehören, vermutlich auch Du, Menschen mit Rückgrat, wollte ich sagen, jedenfalls Menschen mit Rücklagen, nota bene.

Woher kommt die Musik?

Eigentlich liegt die Antwort auf der Hand. Oder genau genommen in den Kindern, in ihrer Stimme. In der Stimme eines Vorschulkinds erklingt die Antwort auf die Frage, wo die Musik herkommt.

Ich saß heute unten in meinem Arbeitszimmer und war mit dem Schreiben zugange, da klingelte es oben an der Haustür und kurz danach hörte ich die glockenhelle Stimme von einem vierjährigen Mädchen. Überraschungsbesuch. «Komm mal hoch, schnell», hörte ich es rufen und verließ sofort den Schreibtisch. Obwohl ich sofort losging, dauerte es eine Weile, bis ich aus dem Raum getreten, durch den dunklen Kellergang getorkelt und die Treppe hochgeklettert war. Und genau in dieser Zeit wurde mir klar, warum mich die klare, reine Stimme des daherschwatzenden Mädchens an den Ursprung der Musik erinnerte.

Beide, die Stimme dieses Mädchen wie die Tonleitern der Musik, kommen direkt aus dem Himmel. Deshalb schrieb man vor Jahrhunderten die Tonleitern von oben nach unten, aus dem Kosmos sich zu uns auf die Erde ereignend, entrollend, erklingend. Und aus dem gleichen Herzensgrund sind Kinderstimmen im Kleinkindalter hoch und steigen dann allmählich ganz langsam in tiefere Regionen ab, Erdennähe suchend. 

Und ich, der ich so irdisch, ja während meiner Arbeit sogar unterirdisch geworden bin, werde mitten in meinem morgendlichen Trott aus horizontalen Gedanken aufgescheucht und dorthin gelockt, wo der Schleier des Goldenen Zeitalters spricht und musiziert.

Es ist ein Leichtes, die Stimme kleiner Kinder als Verkündigung von Musik zu hören, weltweit, global wie wir heute sagen.

Morgen besucht uns das Mädchen mit seiner Mutter und seinem Brüderchen zum Mittagessen. «Können wir machen», hatte es geträllert, als wir den Vorschlag machten, dass wir uns morgen gleich wiedersehen.

In Vorfreude, herzlich

Das Licht

Das Licht, dieses Licht, es nimmt wieder zu. Jedenfalls hier. Auch in mir.

Die Tage werden wieder länger, zumindest da wo ich lebe. Es geht auf den Sommer zu. Auch die Vögel wissen das. Sie müssen sich mit dem Das Licht weiterlesen