Archiv der Kategorie: Blog

Chapeau

Ich ziehe den Hut vor Philip Kovce und Wolfgang Müller, die einen wunderbaren Kulturbeitrag in der WELT über das Anthroposophie-Bashing platzieren konnten. So etwas ist heute in Deutschland ja keine Kleinigkeit, wo  doch so viele Medien und bedeutende Köpfe (na ja) gegen die Anthroposophie mobil machen.

Bevor ich mich hier nun mit vielen Worten begeistere und euch die Zeit stehle, klickt doch gerne einfach auf den oben angegebenen Link und überzeugt euch selber.

Herzlich    

durch die Brille gucken

Wir schaffen uns gemeinhin Sehbrillen an, um besser zu sehen. Das ist ein Gemeinplatz.

Dabei gilt: Die besten Brillen, die es gibt, die schärfsten, die Wirklichkeit am meisten auflösenden Brillen sitzen keinesfalls auf unseren Nasen. Auch das sind nicht die besten Brillen, die von Wissenschafler:inne:n aufgesetzt werden, um in die Weiten des Universums oder in die Mikroorganisation der menschlichen Organe zu schauen, sondern es sind ganz klar die, die im Zusammenhang mit der Nutzung von Waffen entwickelt werden.

Diese Brillen können um die Ecke sehen. Sie vermögen Dinge zu erkennen, die wir weder mit Feldstechern noch Fernrohren ins Blickfeld bekommen. Sie basieren auf Systemen, die vermutlich schon Dinge sehen, die es zur Zeit, wo durch diese Brillen geguckt wird, noch gar nicht gibt, die es aber geben wird, sobald auf sie mit diesen Brillen geguckt worden ist.

Was kultiviere ich also meinen Sorgeblick in die Zukunft, wenn das mit dem Sehen, Schauen, Blicken alles längst so weit und endgültig, wie hier in aller Kürze skizziert, vorangeschritten und wenn meine und unsere gemeinsame Zukunft bereits so derart weitgehend und endgültig entschieden ist!?

Weitgehend – jedoch nicht letztendlich. Denn es gibt ein Feld, auf das nur ich allein schauen kann. Und bei dir ist das genauso. Lassen wir uns nicht ausreden, dieses Feld sei eitle Einbildung.

Deshalb: Ein gutes neues Sehen im neuen Jahr! Es hängt viel von unserem Auf-Die-Dinge-Schauen ab,

herzlich   

Ungnädig bissig

Mein Beitrag vom 18. Dezember war bissig, fast wie ein Kreuzzug. Komisch, wo ich doch dort gerade die Kreuzzüge verurteile.

Es gibt auch noch eine andere Sicht auf die Adventsfeierlichkeiten. Wie da die Leute friedlich in der Kälte bei Glühwein zusammensitzen und strunzen. Und wie sie sich freuen, mal dem Leben und nicht nur immer der Vorsorge und Optimierung zuzusprechen. Im ersten Coronaadvent spazierte ich einmal durch die Innenstadt von Salzburg. Ein schöner Laden neben dem anderen, eine Beleuchtung wie in der U-Bahn von Dohna in Katar. Die Eingangstüren waren allerdings zu. Wegen Corona kein Zutritt. In den Läden selbst sah ich die Verkäuferinnen und Verkäufer, wie sie Waren drappierten im Schaufenster. Ich weiß noch, wie sie mich dauerten und ich mich fragte, wieviele dieser schicken Läden ihre letzten Adventtage feierten.

Ein Jahr später wieder Flanieren in den gleichen Gassen – und vor den gleichen und gleich beleuchteten Läden. Diesmal durften die Kunden und Kundinnen rein. Kaum ein Geschäft vom Vorjahr fehlte. Wie schön, das kommt doch daher, dass sich alle so sehr Mühe geben und mit Advent auch dann nicht aufgeben, wenn der Wind aus einer anderen Richtung bläst.

Und dann, wenn Advent und Weihnachten hinter uns sind, dann kommen die ausgehängten Tage zwischen den Jahren, nochmals eine Zeit der Innerlichkeit und Besonnenheit und des gediegenen Müßiggangs. Wer das alles mit den christlichen Kreuzzügen in Zusammenhang bringt, ist auch irgendwie ziemlich daneben, gewissermaßen, oder!?

Liebe bildet

Heute auf meinem Teebeutelmotto lese ich, die Liebe sei did Quelle unendlicher Seligkeit. Wie bei den meisten solchen Botschaften, wird so viel Butter aufs Brötchen geschmiert, dass wir darauf ausrutschen und uns, jedenfalls mir, der Appetit vergeht. Sie ist verständlich, die Botschaft, sie ist gut gemeint, doch die Worte sind nicht nur übertrieben, sie sind vor allem auch ziemlich falsch gewählt. Liebe bildet weiterlesen

Die Innensicht

Ein Sufi mit langem Bart wird auf der Baustelle von einem anderen Baustellenarbeiter gefragt, wie er sich mit seinem langen Bart und seinem muslimischen Aussehen denn von radikalen Muslimen unterscheide. Er antwortet: «Schau in meine Augen und du weißt, ob ich zu den radikalen gehöre oder nicht.» Die Innensicht weiterlesen

Zuletzt

So, es geht weiter mit meinen Tagesgedanken, die nun einige Wochen geruht haben. Nach Ende der documenta fifteen machte ich eine Schreibpause. Der Marathon durch die 100 Kunsttage war anstrengender als gedacht. Deshalb sind Berenike und ich danach für eine Weile abgetaucht, wir waren sogar weg, Kassel fühlte sich an wie Zuletzt weiterlesen

Kriegssprache

Überall ist sie zu hören. Aber was ist sie? Was ist überhaupt der Inhalt dieses aus zwei deutschen Wörtern harmlos zusammengesetzte deutsche Wort?!

Zwar werden im Krieg Worte gebraucht – und wie. Sie sind oft so laut, dass jeder Kriegssprache weiterlesen