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d15 – Alles eine Nummer zu groß?

Auf diesem Ausschnitt aus der Bilderwelt des Dan Periovschi vor dem Fridericianum hat der Künstler eine Stimmung ins Bild gebracht, der wir alle anscheinend immer mehr ausgesetzt sind. Alle. Politiker. Geldanleger. Redakteurinnen. Reporter. Polizisten. Lehrerinnen. Soldaten. Auch Künstlerinnen und Künstler und alle, die sich dazwischen einordnen. Uns geht es wie Don Quichote. Er wurde im falschen Jahrhundert geboren. Er hatte eine falsche Weltanschauung (weil er die falschen Bücher gelesen hat). Er war unzeitgemäß ausgerüstet. Don Quichote zog mit der falschen Rhetorik in die Welt. Und hier, auf diesem Bild, sind auch noch die Windmühlen zu hoch, er kann noch nicht einmal den Kampf gegen sie aufnehmen. Bleibt nur das enttäuschende Wort: «SCHEISSE»!

Wenn Kunst politisch wird, wie dies bei dieser documenta stark der Fall ist, entstehen neue Don Quichoterien. Denn plötzlich wird das Künstlervolk selbst rabiat. Nix mit Solidarität wie bisher, im Gegenteil. In Berlin hat sich ein irakischer Künstler auf der Berliner Biennale gegen einen Kollegen gestellt und die eigenen Sachen abgehängt, weil der andere etwas dargestellt habe, was seiner politischen Haltung widersprach. Beispiele wie diese häufen sich. Zum Glück ist davon bei der documenta nichts festzustellen, zum großen Glück.

Eine weitere Don Quichoterie passierte kürzlich auf dem Bahnhof in Hamburg. Die jüdische Künstlerin Johana Hirschfeld hatte im Auftrag der jüdischen Gemeinde auf dem Bahnhofsgelände ein Kunstwerk gehängt. Die deutsche Bahn hatte die Hängung genehmigt. Ein Bild mit zwei Frauen vor einem Güterwaggon. Fragt die eine: «This train isn’t going to Auschwitz?» Antwortet die andere: «Not anymore» (Geht dieser Zug nach Auschwitz? – Nein, nicht mehr). Die Sache wurde nach wenigen Stunden abgehängt. Wiederum einige Stunden später, als das Missverständnis – jemand meinte, die Botschaft der zwei Frauen sei antisemitisch oder rechtsradikal – geklärt war, wieder aufgehängt. Ein Bahnsprecher bedauerte den Vorfall und erklärte später der Zeitung, es habe «einen Fehler in der internen Kommunikationskette gegeben». Solche Entschuldigungen kennen wir von der DB zur Genüge, manchmal fährt der Zug nicht, weil der Zugführer erst noch aus einer anderen Stadt anreisen muss, manchmal deshalb nicht, weil keine Feuerlöscher an Bord sind.

Ich meine, dass auch die documenta seit Wochen mit einem Fehler in der Kommunikationskette belastet ist. Es geht um die unleidige Diskussion, die um das Banner von Taring Padi geführt wird. Wer weiß, vielleicht leben wir in einer so verrückten, von lauter Don Quichoterien durchsetzten Zeit, dass wir mit einem Wunder rechnen dürfen und das Banner doch noch einmal zu sehen sein wird auf der documenta. Und wer weiß, vielleicht wird dem alles andere als antisemitisch eingestellten Kollektiv Taring Padi auch noch mal eine Entschuldigung von beispielsweise Herrn Steinmeier oder Herrn Scholz ausgesprochen werden. 

 

d15 – Kann das weg?

Bisher verstanden sich die zwei als Gärtnerteam. Dann kam digitale Post. Er habe die Mail von Ilona Németh fast als Spamnachricht gelöscht, erzählte der männliche Teil des kleinen Teams der Zeitung. Als er sie dann doch gelesen hatte, ging ein Prozess los, der die beiden über Nacht als Künstler in die Kladden zwischen den Kollektiven der d15 – Kann das weg? weiterlesen

d15 – Partizipation

Vieles an der Debatte um die documenta fifteen darf nicht Berichterstattung genannt werden, da die Schreibenden – und Schreienden – nicht vor Ort waren und also gar nichts zu berichten haben, weil nichts, rein nichts in ihrem Erfahrungsrucksack drin ist. Sie maßen sich Urteilsfähigkeit an, wo keine Urteilsbildung stattgefunden hat. Das Fundament, auf dem sie ihre Schlusssätze formulieren, ist auf Sand gebaut. Ihre Dekonstruktion einer vermeintlich katastrophalen, weil antisemitisch konnotierten documenta fifteen misslingt, egal wie weit sich ihre Meinungen über das Land und den Atlantik ausbreiten und inzwischen aus Übersee als Echo zurückkommen. Das Epizentrum ihrer Beiträge ist nicht Aufklärung, sondern eine blanke «kulturjournalistische Katastrophe», wie ihre ‹Bericht-Bestattung› kürzlich charakterisiert wurde. d15 – Partizipation weiterlesen

d15 – Sehnsucht

Dieses Bild und die Figuren im Vordergrunf gehören einer dunklen Vergangenheit an, wie später in Büchern zu lesen sein wird. People’s Justice ist (hier in Deutschland – und nur hier) schneller zu Geschichte gemacht und aus dem Alltag verdrängt worden als einer Dialogkultu lieb sein kann. Wer das rund hundert Quadratmeter große Wandbild des d15 – Sehnsucht weiterlesen

d15 – Willensregungen

Meine heutigen Tagesgedanken widme ich Christoph Glanz.

Mir kommt grad der Gedanke, dass ich mich als Beisitzer für das Gremium eignen würde, das nun doch eine Sichtung des gesamten documenta-Bestands vornimmt. Ich kann von mir sagen, dass ich ein sehr gutes Gespür für das habe, was als «Antisemitismus» auf dieser documenta fifteen gesucht wird. d15 – Willensregungen weiterlesen

d15 – Licht im Tunnel

Eine Besucherin der documenta machte die Leitung auf «weiteres antisemitisches Bildmaterial» aufmerksam. Als sie nicht sofort eine Antwort bekam, ging sie an die Öffentlichkeit. Diese reagierte erwartungsgemäß heftig und, ebenfalls erwartungsgemäß, ohne die Sache selbst in Augenschein zu nehmen und zu prüfen. d15 – Licht im Tunnel weiterlesen