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d15 – Einfach mitmachen, Leute…

Der Zentralrat der Juden in Deutschland warf der documenta in Kassel vor einigen Wochen vor, dass sie zu palästinenserfreundlich agiere. Jetzt geht es um die Herkunft der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler. Ob das ein Zufall sei, dass kein einziger israelischer Künstler vertreten sei, fragt nun der Zentralratspräsident Josef Schuster, und hängt an diese Frage auch gleich eine Antwort daran. Ihm dränge sich der Eindruck auf, von einem Boykott israelischer Kunst und Kultur sprechen zu müssen.

Ich ging sofort auf Recherche und wollte wissen, wie es um die Beteiligung von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern stehe. Es ist nicht leicht, das sicher rauszubekommen, geben die Kurator_innen doch die Zeitzonen bekannt, aus denen die eingeladenen Künster_innen herkommen, nicht jedoch die Nationen. Und bei den Kollektiven könnten natürlich genauso einige versprengte Schweizer dabei sein wie Israelis, allerdings werden sie da als solche nicht ausgezeichnet. Ich habe jedenfalls keine Leute aus der Schweiz gefunden und frage mich nun, ob ich das ebenfalls bei Deutschlandfunk Kultur monieren sollte, wie dies Herr Schuster für die Israelis getan hat.

Statt so etwas zu tun, will ich mir lieber die Spielregeln von Ruangrupa vor Augen führen. Das Künstlerische Team der kommenden documenta will die Besucher dazu ermutigen, sich nicht als Betrachtende, sondern als Beteiligte zu verstehen, sich auf Gespräche und Begegnungen einzulassen, gemeinsam zu essen, zu diskutieren und «nongkrong» zu betreiben, also Zeit miteinander zu verbringen und zu feiern. Natürlich kann ich da als aufrechter Schweizer, sollte mir danach sein, mit Sennenhemd und Älplerfahne erscheinen. Ich kann gerne auch mein Apfemus aus der Schweiz und Appenzeller Käse in den Rucksack packen und beim Feiern mit den Freunden aus dem Osten auf die gewohnte Hausmannskost zurückgreifen, sollte mir das angebotene Essen zu exotisch sein. Das kann ich alles tun. Was ich eher nicht tun sollte, ist einzufordern, was meinen Erwartungen und Gewohnheiten entspricht. Ich sollte nicht kritisieren, was meiner Meinung nach fehlt, sondern ich sollte meine ganze Freude und Subjekthaftigkeit zusammennehmen und einfach losgehen, die documenta-Orte aufsuchen und in der Begegnung mit anderen Subjekten den Augenblick mitgestalten.

Ist das so schwer? Ja, das scheint soo schwer zu sein für die meisten…