Pauschal ist schal

Es ist schon so, wie der Titel sagt. Was pauschal daherkommt, hat sich vom Leben entfernt und ist somit langweilig, unlebendig, unbedeutend, eben: schal.

Ich reibe mich schon länger an der berühmten Formulierung: «Die Banalität des Bösen». Hannah Arendt hat diesen Begriff geprägt, als sie beim Eichmann-Prozess 1961 in Jerusalem in Eichmann keine perverse Bestie antraf, sondern einen, wie KI es beschreibt, «bürokratischen, durchschnittlichen, geistig unauffälligen Menschen,
der in Floskeln sprach, Regeln befolgte und ständig betonte, er habe nur Befehle ausgeführt».

Ich bin mir nicht sicher, ob Arendt selbst an der Pauschalisierung der Nazis und später der Deutschen als banale, grundböse Erfüllungsgehilfen eines Regimes mitgetan hat oder ob sich dies unabhängig von ihr aus einer Charakterisierung, die sie ursprünglich an Eichmann ablas, entwickelte. 

Jedenfalls, scheint mir, läuft der Begriff umso mehr ins Leere, je mehr er ins Allgemeine gehoben wird. Er kriegt dann vermeintlich zwar mehr Power, entfernt sich aber vom Leben – und das Leben finde ich alleweil interessanter als scharfe Begriffe.

Ich jedenfalls freue mich bei jeder und jedem, wenn ihnen, was ich in meinen Biografien auch versuche, Konkretisierungen gelingen. Dies war auch mein Anliegen beim neuen Buch über Hermann Kükelhaus. Je nach Ausdehnung des Begriffs, könnte auch er unter das Diktum des banalen Bösen gestellt werden – es wäre ein kompletter Fehlgriff. 

Übrigens habe ich eben ein Bild aus dem www-Netz von Hermann fischen wollen. Es gibt wohl kein einziges. Somit gibt es noch einen Grund, sich das Buch anzuschaffen, denn darin sind 30 ganzseitige Bilder von ihm abgelichtet 😉

Grüße aus dem Kasseler Tauwetter,