Die Autorin holt unbekannte, vergessene oder bislang unsichtbare Künstlerinnen auf die Bühne. Das ist interessant und horizonterweiternd. Es ist mehr als legitim, eine Geschichte zu erzählen, bei der Frauen im Mittelpunkt stehen.
Auch ist es höchste Zeit, dem chauvinistischen, westlich geprägten, euro- beziehungsweise us-zentrierten Männer-Kunstbetrieb den Riegel zu schieben (was immer noch viel zu wenig geschieht).
Was nicht funktionieren kann, ist jedoch eine komplette Umschreibung der Geschichte mit einem kompletten Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kunstanteilen, wie es versuchte. Warum auch immer Frauen jahrhundertelang von einer gleichwertigen Wahrnehmung im Kunstbetrieb ferngehalten wurden und es noch immer werden – die Werke, die sie deshalb nicht schaffen konnten, gibt es schlichtweg nicht und können somit auch nicht in die Waagschale geworden werden.
Auf was es wirklich ankommt, ist doch, dass Frauen künstlerisch in die tiefsten Tiefen loten und von dort her Kunst generieren. Tun sie dies? Tun sie es besser als Männer es heute tun?
Und wenn wir schon Fragen stellen, dann bitte auch noch diese: interessiert sich denn überhaupt noch jemand für den exklusiven Mann-Frau-Gegensatz in der Kunst, wo inzwischen so viele andere Geschlechteridentitäten mitmischen?
Und müssen nicht auch diese Gruppen auf die Frage nach der tiefsten Tiefe der Kunst eine Antwort finden, wenn sie in die Kunstgeschichte eingehen wollen?

