Ich erinnere mich noch, wie ich meiner kleinen Tochter einst erklären wollte, dass Holzbretter Teile eines Baumes seien. Sie dementierte meine Aussage, hielt sie für komplett untragbar und falsch. «Ein Holzbrett ist tot», sagte sie, «aber ein Baum lebt.»
Heute beim Spaziergang passierte etwas, das mich an das Gespräch von damals erinnerte. Berenike und besuchten eine alte, große, auf der Weide frei stehende Eiche, es ist ursprünglich ein Doppelbaum gewesen, von dem einer der beiden Stämme vor drei Jahren im Sturm gebrochen und umgestürzt ist und nun als Totholz neben der Resteiche daliegt. Am Stamm des Baumteils, der noch steht, ist neuerdings ein Schild angebracht, das mich noch nie nachhaltig zum Denken eingeladen hat.
«Unverschämt, eigentlich», sagte Berenike.
Stimmt. Da stehen Bäume in der Gegend herum, nicht nur in der Stadt, sondern auch im Wald, sie sind manchmal über hundert, manche auch schon (weit) über zweihundert Jahre alt. Sie mögen innen hohl sein, Äste mögen im Sturm abgebrochen sein.
Dann kommen die Fachleute mit ihren Abhörsystemen und treten an diese Bäume heran und attestieren, dass ihre Lebendigkeit über den Zenith gegangen sei – und deklarieren sie zu Denkmälern.
Während von Menschen gemachte Denkmäler etwas vom Denkmalschutz haben, indem man sie restauriert, werden Bäume, die als Naturdenkmäler eingestuft werden, irgendwann einfach umgesägt, und dies oft viel, viel zu früh…
