Kommt zurück nach Europa

Vor zwei Monaten führte ein jüdischer Forscher, seines Zeichens Professor in London und Begründer eines Instituts zur Geschichte der Palästinenser – ich lasse seinen Namen weg, um in keine Richtung zu polemisieren –, aus, dass das Problem der Israelis im Nahen Osten nur dadurch auf eine Lösung zugeführt werden können, wenn wir in Europa uns dieses Problems annähmen und die Juden, die sich durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts aus Europa vertrieben fühlten, einlüden, wieder bei uns in Europa zu leben. 

Als ich das hörte, merkte ich 1), dass ich wie aus einem Reflex heraus «Halt stopp» flüsterte und dachte, einen solchen Schritt könnte ich nur befürworten, wenn die Zurückkehrenden keine Sonderrechte und Alleinstellungsmerkmale für sich beanspruchten (ich denke, diese Reaktion ist auch auf das Agieren federführender Juden in Deutschland zurückzuführen, die alles unternahmen, um die documenta 15, die mir so sehr ans Herz gewachsen war und deren unendlich viele Veranstaltungen ich täglich in den unterschiedlichsten Zusammenhängen verfolgt und besucht habe, in Grund und Boden zu verunglimpfen). Ich merkte aber auch, dass dieser Gelehrte 2) den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. 

Und mir kam ein Artikel in den Sinn, den Imre Kerzész im Jahr 2000 nach seinem ersten und einzigen Israelbesuch in der Zeit publiziert und darin gesagt (geschrieben) hatte, wenn wir in Europa uns das Nahostproblem vom Hals halten würden, werde dieses Problem zuletzt in Europa ausgetragen werden.