Es ist sinnvoll, sich selbst als Teil dieser Welt verstehen zu lernen. Das fällt nicht immer leicht. Ich bin heute wieder einmal erschrocken, von was für Energien und Gedanken ich umgeben bin. Wenn ich Teil der Welt sein will, will ich mir darüber auch im Klaren sein.
Ich bin gerade eben an einem Satz dran gewesen und war etwas ungeduldig, wie ich ihn zu Ende schreiben könnte. In früheren Zeiten hat man sich in einem solchen Moment beim Schreiben zurückgelehnt und hat sein Vorstellungsleben und die Fantasiekräfte bemüht.
Das braucht es heute nicht mehr. Heute kannst Du digital abrufen, was andere vor dir in dieser Situation geleistet haben, und es einfach übernehmen oder adaptieren.
Ich schrieb vorhin: „Wer weder seinen Vater noch den Großvater kennt und ohne Mutter aufgewachsen ist, ist ein Mensch, der –»
An dieser Stelle angekommen, überlegte ich, was für ein Bild ich für einen solchen Menschen nehmen könnte. Ich war ungeduldig, weil ich den Satz so schnell wie möglich hinter mir haben und weiterschreiben wollte. Also konsultierte ich KI.
Ich tippte ein: «Schreib folgenden Satz literarisch zu Ende: «Wer weder seinen Vater noch den Großvater kennt und ohne Mutter aufgewachsen ist, ist ein Mensch, der –»
Das streberhafte Gebaren von ChatGPT ist manchmal echt lästig. In diesem Fall zeigt sich die Streberei in einem viel zu langen Satz. Doch ich muss sagen, die Aufgabe hat das System mehr als hinlänglich erfüllt.
Der ganze Satz, durch weitere Sätze ergänzt, lautet:
«Wer weder seinen Vater noch den Großvater kennt und ohne Mutter aufgewachsen ist, ist ein Mensch, der seinen Namen wie ein geliehenes Kleid trägt – es passt ihm, aber es wärmt ihn nicht. Er steht in der Welt wie ein Haus ohne Fundament, vom ersten Windstoß geprüft, vom leisesten Zweifel erschüttert. Niemand hat ihm erzählt, wessen Lachen in seinem eigenen widerhallt, wessen Zorn in seinem Blut schläft. Er erfindet sich aus dem, was übrig blieb: aus Blicken der Fremden, aus Büchern, aus der Art, wie das Licht am Abend auf die Straße fällt. Und manchmal, wenn es still wird, lauscht er in sich hinein, als könne er dort doch noch Schritte hören – schwere, vergangene Schritte –, die ihm sagen, woher er kommt. Doch wenn niemand antwortet, beginnt er selbst zu sprechen. Und vielleicht ist er gerade deshalb nicht nur ein Verlorener, sondern einer, der sich seine Herkunft erst noch erschafft.»
Herrlich, nicht wahr. Gut gemacht, gratuliere, doch ich denke, wir brauchen keine Angst zu bekommen, dass uns KI bald abgeschafft haben wird.

