Zeitgleich mit dem Buch Der stille Freund, auf das ich noch zurückkommen werde, ist der Film Silent Friend im Kino angelaufen.

Extrem langsam. Durch Frauenaugen gesehen sozusagen, atmosphärisch, anekdotisch, viele Ebenen miteinander vernetzend, bildstark, ruhig.
Da im Zentrum dieses Film ein 200-jähriger Ginkgo biloba und sein Gefühlsleben stehen, und da dieser Ginkgobaum ausnahmsweise eine Sie, also ein weibliches Exemplar ist, heißt der Film, ins Deutsche übersetzt: Die stille Freundin.
Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi hat zehn Register gleichzeitig gezogen. Kein Wunder, dass der Streifen Überlänge hat.
Drei Geschichten aus drei verschiedenen Generationen nähern sich dem Seelenleben dieses Ginkgo-Giganten an, der mit Menschen in Kontakt geht, wenn sie so auf ihn zugehen, dass er sie wahrnehmen kann, also möglichst langsam und am besten offen wie ein kleines Kind.
Wer bis jetzt noch gezweifelt hat, dass Pflanzen ein Bewusstsein und ein Gefühlsleben haben, wird durch diesen Film aller Zweifel enthoben.
Ob allerdings die Frage nach dem Bewusstsein und dem Gefühlsleben von Pflanzen dadurch lösbar ist, dass man in anthropomorphistischer Überhöhung von Denken und Fühlen spricht, nehme ich trotz dieses Films als ganz dicke Frage mit.
Wie ließe sich über diese im Film breit ausgewalzten Phänomene denken, sprechen und fühlen, ohne in die alten und sensationalistischene Sprachmuster zu verfallen?!
Gruß

