Traumaschütteln

Familiengeschichten finde ich langweilig, wenn sie erzählt werden, weil die Mitglieder dieser Familie so tolle Frauen, Männer und Kinder sind oder waren, oder weil der Stammbaum so außergewöhnlich ist oder war. Nicht selten schreiben Leute aus solchen Motiven über ihre Familie. LANGWEILIG.

Gleichzeitig sind die Geschehnisse innerhalb von Familien Themen, die sich wie wenig anderes für eine Literarisierung eignen. Das beweisen viele großartige Texte (und übrigens auch Filme), von Thomas Mann bis Elena Ferrante. 

Ich selbst weiß gar nicht mehr, an was für einer Geschichte ich schreibe zur Zeit. Wenn es eine Familiengeschichte ist, ist es längst nicht mehr meine eigene, obwohl ich an ihr anknüpfe. Es ist vielmehr die Geschichte von Familien, ja die Geschichte DER FAMILIE schlechthin, denn die Verwerfungen, Erhebungen, Freuden und Perversionen innerhalb von Familien und Generationen gleichen sich bis ins Detail, egal, ob es reiche, arme, gebildete oder ganz einfach gestrickte Familien sind und waren. 

Jedenfalls schreibe ich und baue stündliche Pausen ein. Zum Beispiel mache ich Traumaschütteln jeden Morgen von 7:50 bis 8:00 Uhr. Ich brauche das, um den Wahnsinn, in dem ich drinstecke, irgendwie zu überleben.

Konrad Schmid, ein Churer Freund, würde an dieser Stelle vermutlich sagen: «Waischwasimaina?»