Was nach Mut aussieht, halte ich für Feigheit

Vorsicht, das neue Buch von Ferdinand von Schirach steht ganz oben auf der Spiegel-Bestsellerliste. Grund genug, dafür nach einer Erklärung zu suchen – am besten durch die Lektüre des Buchs. 

So verschwommen wie dieses Foto ausgefallen ist, kommt mir der Bezug zwischen den einzelnen Erzählungen und dem Buchtitel vor. Ein schöner Titel, lose in Beziehung zum Inhalt stehend. Eine schöne Frau mit Wespentaille und dem Hauch eines selbst ergriffenen Abenteurer*innenlebens. Und oben im Bild die Andeutung eines Propellers eines Motorflugzeugs – alles a bissle sehr nach Ernest Hemingway. Warum auch nicht, Hauptsache es zieht. 

Was auch zieht, ist der Name des Verlags und natürlich des des Autors. 

Alle diese kleinen wichtigen Punkte fallen schon mal ins Gewicht. Mehr ins Gewicht fällt der vorgetäuschte Touch von Entrüstung und Erschüttertheit im Buch. Der Autor gibt sich Mühe, als rechtschaffener und moralisch integrer Schriftsteller aufzutreten und Themen zu verarbeiten, die die Gemüter bewegen. 

Dieser Touch kommt im kurzen Text besonders stark zum Ausdruck, in welchem Schirach unter dem goetisch anmutenden Titel Wirklichkeit und Wahrheit über den 7. Oktober 2023 und die Hamas-Terroristen schreibt. Damit wir das Ausmaß des Grauens auch wirklich bis in die hinterste Fasern unseres Organismus aufnehmen, bringt er Details über die verstümmelten, verggewaltigten, mit Messern ihrer Brüste entledigten jungen unschuldigen Frauen, schreibt, wie die Terroristen ihnen «Nägel in die Oberschenkel und die Leistengegend gehämmert» hatten und dergleichen mehr. 

Und wieder wehrt sich etwas in mir. Nicht deshalb, weil der Autor zitiert, was über dieses Massaker berichtet wurde. Ist das die Entrüstung eines Autors, dem es um die Wirklichkeit und Wahrheit zu tun ist?

Morgen versuche ich eine Antwort auf diese Frage.