Ich hatte ein ungutes Gefühl nach dem Film von Wim Wenders über Anselm Kiefer.
Mein Eindruck war, das Wenders (oder Wenders und Kiefer zusammen) es sich zu einfach gemacht habe (hätten).
Die in diesem Film militant vorgeführte Heideggerkritik und Inschutznahme von Celan war mir zu einfach.
Deshalb ging ich auf Recherche.
Der Eindruck, den ich vom Film mitgenommen habe, hat sich dadurch bestätigt.
Es geht nicht an, Celan als Opfer der Ignoranz Heideggers dazustellen. Genau dies aber hat der Film getan. Damit hat er die Faktenlage missachtet, beziehungsweise umgedeutet (vorausgesetzt, Wenders hat sie gekannt).
Es ist sehr einfach, aus Heidegger im Nachhinein einen Nazi zu machen. Es wäre hilfreich, es wäre unglaublich hilfreich und versöhnlich (!) gewesen, wenn Heidegger später ein Wort für sein Verhalten während des Nationalsozialismus gefunden hätte. Es gibt dieses Wort von ihm nicht. Möge dies verurteilen, wer es vermag – ich will es nicht, bei allem Schmerz, den auch ich dabei empfinde.
Doch meine Erfahrung ist es, dass Verurteilungen und militante Stellungnahmen dafür oder dagegen in solchen Fällen meist nur die Fronten zwischen Gut und Böse verhärten.
Dies hat Wenders in seinem Film tatsächlich getan. Und beide, er und Kiefer, haben sich für Celans Hoffnung auf ein „kommendes Wort“ von Heidegger eingeschworen, nicht prüfend und keinen Moment in die Waagschale werfend, wie gefährlich es sein kann und meistens auch ist, wenn wir ganz viel, ja Rettung von einem Gegenüber erwarten, ohne genau auszusprechen, was wir erwarten.
Was wir vom anderen oder von der anderen unausgesprochen erwarten, kann er oder sie uns nicht geben.
Das ist das eine, was Wenders entgangen ist.
Das andere ist, dass die im Film massiv gezeigte Haltung gegen Heidegger, den Täter, und die schützende Geste zu Celan, das Opfer, zumindest in deutschkritischen Kreisen in den USA auf großes Wohlwollen stieß. Kiefer ist, nachdem der Film in den Kinos gelaufen war, sofort als bedeutendster lebender europäischer Künstler durch die Decke gegangen.
Und so bleibt das schale Gefühl zurück, dass selbst bei diesem eigentlich doch gebildeten Wim Wenders etwas gründlich schief gelaufen ist.
Die Quellen zeigen, und das macht die Sache doch erst richtig interessant, dass weder Heidegger Celan noch Celan Heidegger je zurückgewiesen hat…

