Platon war ein Genie, das empfand ich früher und empfinde es noch. Er war Schüler von Sokrates und hat Sokrates zum Protagonisten in seinen Dialogen gemacht. Davon war ich früh schon fasziniert. Meine erste Arbeit an der Uni war die Auseinandersetzung mit einem Dialog von Platon, in welchem er seinem Lehrer Sokrates ein Denkmal setzt.
Der Sokratische Dialog ist mir erst durch Nietzsche suspekt geworden. Nietzsche sah in ihm den Trend zum Begrifflich-Rationalen, ein Trend, der so tut, als wäre Wahrheit, einmal dialogisch errungen, etwas, auf das wir immer zugreifen könnten.
Das ist beim Dialog im Sinne von David Bohm anders, und das gefällt mir so an dieser anderen, dem Sokratischen Dialog teilweise entgegengesetzten Form der Begegnung.
Es gibt ein dialogisches Miteinander, das funktioniert, ohne dass Wahrheit daraus hervorgeht. Dafür ist der Anteil der gegenseitigen Wahrnehmung größer, und es kann so etwas wie ein Sinnfluss zwischen den Beteiligten entstehen. Und, eine wunderbare Erfahrung und auch permanente Schulung, du wirst dir deiner selbst als Redende und Redender bewusst – oder sagen wir bewusster. Nein, «bewusst» passt nicht, besser: du hast zu dir selbst eine erhöhte Wahrnehmung und hängst nicht in falscher Selbstbeurteilung fest.
Und du merkst, dass es Räume und Begegnungen gibt, die dich selber über Dich hinausheben und mit etwas verbinden, das größer ist als das, was du bisher von dir gekannt hast.
