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Zwei Herangehensweisen

Du kannst eine Königin auf zwei Arten nicht kennenlernen: Du kannst in die Gemächer einer Königin gehen und ihre Schätze bestaunen und ihr Leben in ihren Prunkhallen studieren und mit den Händen durch die gehäuften Schmuckstücke in ihren Schatztruhen hindurchfahren und dann erfährst du, dass du die Königin nie kennenlernen wirst. Du kannst auch gleich sagen «ich werde die Königin nie kennenlernen» und wirst wie im anderen Fall erfahren, dass du sie tatsächlich nie kennenlernen wirst. 

Die gleiche Geschichte für die andere Hälfte der Menschheit erzählt:

Du kannst einen König auf zwei Arten nicht kennenlernen: Du kannst in die Gemächer eines Königs gehen und seine Schätze bestaunen und sein Leben in seinen Prunkhallen studieren und mit den Händen durch die gehäuften Schmuckstücke in seinen Schatztruhen hindurchfahren und dann erfährst du, dass du den König nie kennenlernen wirst. Du kannst auch gleich sagen «ich werde den König nie kennenlernen» und wirst wie im anderen Fall erfahren, dass du ihn tatsächlich nie kennenlernen wirst. 

So rum und andersrum sind es Lebensgesten, die sich ausgeschlichen haben, bevor sie vertieft worden sind. Wer so auf ein Ziel zugeht, versucht einen Ofen zum brennen zu bringen, ohne Holz hineinzulegen und ohne das Holz anzuzünden.

Das ist nicht lebensgemäß.

Schacher am Abgrund

Um Liebe schachern ist unsexy, das weiß jeder und jede.

Doch warum genau verträgt Liebe kein Schachern? Und warum hilft manchmal nur noch das Schachern?

Es verträgt sich nicht, weil:

Gefühlsvorgaben und Handlungsanweisungen vergiften die L.

L. will Austausch und Offenheit – dann schwebt über ihr die Freiheit.

L. heißt schenken ohne an Geschenke zu denken.

L. will Nähe ohne Nähe einzufordern.

L. bedeutet Loslassen in grenzenlosem (!!) Respekt, das ist’s.

Die L. nimmt es wie es kommt – Kontrolle greift ins Leere.

L. erwartet nichts, erwartet nichts, erwartet nichts, et in infinitum.

Kopfkino macht die L. leicht, doch gutes Kino ist ein Kunstprozess.

In der L. den Tarif durchgeben wollen, ist wie Schachern am Abgrund.

Als Fließtext: Lass das zähe und kleinliche Verhandeln, denn in der Liebe gibt es nur das maximal Große, lass deshalb gut überlegte Schachzüge, die der L. gemachte Tatsachen präsentieren.

Kurz und nocheinmal: Liebe und Schachern vertragen sich schlecht, doch manchmal geht es nicht ohne. Bei einem solchen Geschäft hat es ein offenes Ende…

Die Feder in der Karaffe

Er ging zu einer Wahrsagerin und klagte, dass er mehr Nähe zu einem lieben Menschen suche und ob sie helfen könnte. Sie sagte, er müsse zu einer anderen Tageszeit kommen.

Er wollte schon gehen, da zeigte sie auf die Wasserkaraffe vor ihnen auf dem Tisch und fragte, ob er seinen lieben Menschen in dieser Karaffe erkennen könne. 

Auf der Wasseroberfläche lag ein Federchen eines Eichelhähers. Er zog es aus dem Wasser und wusste nicht, wie ihm geschah. 

Im diesem Moment saß, weit entfernt, sein lieber Mensch im Café und schaute einem Vogelfederchen vor dem Fenster zu, das wiegend durch den Himmel tanzte.

Das Herz des lieben Menschen wurde groß. Er ging nach Hause, nahm die Schreibfeder in die Hand und wusste, was als nächstes geschah.

 

Krieg und Liebe

Ich sitze gerade über den Druckfahnen meines neuen Buches mit dem Titel:

Die beiden haben sich ineinander verliebt und planen einen gemeinsamen Heimaturlaub für Weihnachten 1942, was extrem schwierig ist. Doch es gelingt und sie sind einige Tage zusammen in Deutschland, wo sie sich verloben. Dann reißt der Krieg sie für immer auseinander, Hermann bleibt als Kriegsversehrter in Berlin zurück, sie muss als Krankenschwester zurück an die Front nach Russland. 

In diesen Tage schickt er ihr das folgende Gedicht hinterher:

Mädchen im Winter, Mädchen im Schnee! Mädchen, der Winter tut mir gar weh. Rosen und Ranken, die grünen nicht mehr: All unterm Himmel ist’s öde und leer. Nur am Herzen, da springet mir zag noch eine Rose im Wintertag.

Mädchen, die Rose blühet und sticht. Mädchen, mein Herz gedenket und bricht.
Sei nicht mehr gram! Komm, geh mit mir; wir gehen durch den Abend, es ist ganz still und dunkel vor der Tür – du wirst es sehn, ich nehme deine Hand, dass du nicht fällst und Schmerzen hättest an deinem Fuß.

Geh leis: wie blickt der Mond so gut!  Der große Mond, und alles hat ein Leben – gib acht, hier liegt ein Stein.  Er schläft; stoß nicht daran, Wir wollen niemand wecken!

Es tut uns allen weh, wenn wir aus unseren Tiefen müssen – wir wollen nicht sprechen; sieh, schon schweige ich, denn deine Hand liegt nun in meinem Herzen … Ich hab es so gedacht; wie schön, da es gekommen ist. Bist du so müd? Verzeih – ich lege meinen Arm an deine Schulter; so ist nun alles gut. Was sagt dein Mund? Nichts, nichts; dein Auge schließt sich nur –  wie bin ich froh, Dass du bald schlafen kannst!

Bald nach dieser Episode – die deshalb eine «Episode» blieb, weil der Krieg kein Verständnis für Liebende hat – kommt Hermann Kükelhaus mit 23 Jahren um sein Leben.

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