Ich war die letzten Tage in Salzburg. An einem der Abende im Kreis meiner Kinder mit Anhängen ging es um den Wahlerfolg der AFD, die bei der Landtagswahl am 6. September 2026 in Sachsen-Anhalt ein historisches Ergebnis einfuhr. Sie wurde mit 43,8 % der Stimmen stärkste Kraft.
«Gehst Du eigentlich stimmen?» Bevor ich etwas sagen konnte, sagten alle mit Blick zu mir: «Du musst in Zukunft stimmen gehen.»
«Ich könne in D nur bei Abstimmungen auf Kommunalebene teilnehmen», sagte ich, «aber ich gehe nicht abstimmen, weder in Kassel auf Kommunaleben noch in der Schweiz auf Bundesebene.»
Ich kam mit meinen Ausführungen nicht sehr weit. «Heute muss jede und jeder stimmen gehen»˛ wurde ich einstimmig unterbrochen.
Mir war ziemlich elend zumute. Alle hatten eine politische Haltung, die sie bei Abstimmungen kundtaten. Nur ich machte nicht mit.
Ich kam mir vor wie ein Spielverderber. Mir fiel nichts ein, mich zu verteidigen. Das wurde auch gar nicht erwartet.
Es herrschte Betroffenheit. Ich schwieg.
Bald danach ging ich mit drängenden Fragen ins Bett.
Am anderen Morgen hatten wir andere, einvernehmlichere Themen.
Doch bei mir rumort es weiter.



