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Früher war nicht alles besser – jedoch anders.

Schöne Neuigkeiten

Hier die erste Neuigkeit: Mein neuestes Buch ist seit einigen Tagen im Buchhandel erhältlich.

Der Titel lautet: Hermann Kükelhaus. Ein Dichter im Krieg.

Das Taschenbuch ist erschienen in der Edition Hamouda in Leipzig, fadengeheftet, mit 30 ganzseitigen Abbildungen, davon viele Erstveröffentlichungen, Hardcover, 18,- EUR. 

Ich freue mich über jeden und jede Leser*in!

Leute, ich freue mich sehr über eure/Deine/Ihre positive, kritische, besinnliche, nachdenksame oder sonstwie persönlich gefärbte Rückmeldung zu diesem Buch. Sorry, dass ich das so explizit erwähne, aber wir Schreibersleute bekommen noch weniger Rückmeldungen als alle anderen, viel weniger als in anderen Berufen und weniger als in anderen Kunstsparten. Die meisten Sachen von uns werden nicht besprochen, die meisten von uns werden nicht in Talkshows eingeladen (worüber ich ja nicht unglücklich bin). Auch sonst wird unserer Arbeit wenig wertgeschätzt. Und wer nicht auf Lesereise geht (auch darüber bin ich nicht unglücklich, ich meine, dass ich nicht öffentlich auftreten muss), weiß noch nicht einmal, wie sich Applaus als Äußerung von Wertschätzung anfühlt. – Ist alles nicht eine Feststellung, keine Klage 😎.

Ich sage es nochmals, nur mit anderen Worten: der Schreibenden Künstlerbrot ist die persönliche Ansprache…

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Zweite Neuigkeit: Seit heute ist mein Novalisclip No.26 online, entweder auf dieser Website (Link «Videos») oder auf Youtube.

Viel Freude, Gruß

Pause

Pause – fertig Pause! Ich habe lange genug pausiert und länger keine Tagesgedanken mehr geschrieben.

Dafür gab es einen persönlichen, sozusagen privaten Grund. Er ist inzwischen ausgeräumt und ich freue mich darauf, weiterzumachen. 

Weitermachen, das ist auch das Thema in diesen Zeiten.

Ich nehme mir da meine Vorfahren aus den Bergen zum Vorbild. Bei ihnen hieß es manchmal weitermachen, wenn sie am Tag davor vielleicht gerade wieder einmal eins ihrer Kinder begraben oder beim Arbeiten im Wald ein Bein abgeschlagen haben. 

Klingt dramatisch, war es damals aber auch, du meine Güte. 

Heute ist es unter ganz anderen Umständen ebenfalls dramatisch, das wissen wir alle, gleich was wir denken, fühlen und tun. 

Von vielen unserer Vorfahren, leider nicht von allen, aber doch von nicht wenigen, können wir auch dies lernen, was die deutsche Sprache mit dem faszinierenden Wort «Zuversicht» bereithält.

Wie lautet eigentlich die Verbform von «Zuverischt»? «Zuversehen»? 

Jedenfalls ist Zuversicht ein Schritt nach vorn. Viele Menschen wollen sie uns streitig machen. Die Schöpfung hingegen freut sich, wenn wir Zuversicht wahren und anderen Lebewesen in freundlicher Hingewandtheit überall, wo es uns möglich ist, die Hand reichen und sie ehren.

 

 

NOVALIS Clip 25

Wieder alles aktuell, was das von Novalis vor über 200 Jahren durch mich vor 25 Jahren zur Gegenwart gedacht wurde. Ich denke nicht, dass das beunruhigen muss, im Gegenteil, es hilft, auf drängende Ereignisse mit etwas Atem draufzuschauen.

Der ganze Text des Clips, beginnend auf S.94 meines Novalisbuches, 62. Tag, Samstag, 3. März 2001, Kassel:

«‹In lang hinab gesunkenen Zeiten,
Ich will sie in mir vorbereiten,
Entstand, nicht unweit hier,
Aus einem Urzustand Natur,
Ein tief gepflegtes Wesen.

Teilzuhaben an einer großen Welt,
Die sich in einem Innern hält
Und ohne Glanz, in aller Würde
Des Lebens schwere Alltagshürde
Benimmt und aus dir strömt.

Weh, wer in diesem Wesen lebt,
Zu Höherm sich das Innre regt,
Und weh, wenn einer außen bleibt,
Er merkt noch nicht, wie’s reibt
Und wie die Welt im Krebsgang schwindet.› (NOVALIS)

Vielleicht gibt es auch (!) hier nur ein ENTWEDER – ODER.
ENTWEDER wir die Welt mit NOVALIS der Paukenschlag der Wandlung, still wahrlich wie gutes, unversetztes Wasser, und tief wie das Meer an tiefen Stellen seines Wassers.
ODER sie wird zur unbewussten Bedrohung, leider Bedrohung und leider leider unbewusst, oder, noch schlimmer und genau: die Selbstwahrung der Unbewusstheit wird von einer intellektuellen Schärfe überstrahlt, die ein Gefühl von Unvermögen durch Besetzung des Unbewussten nicht erkennt, aber in der Selbsteinschätzung scharfer Reflektiertheit der Welt einen antiwesenhaften Geist aufdrückt.
Mit dem Starkwerden der Grünen, zu deren Parteigründung der Novaliskenner Beuys als Gründungsmitglied Kraft und Energie vergab, wird der Kampf gegen dieses Wesen militant.
Schmerz und Berklemmung, zur politischenm Gegenwart in aller Ohnmacht ja zu sagen, denn bis in die Geldabgaben tut einer mit einem Staat mit, der an seinem Erbe Verrat übt und unter dem schon im Sozialismus beängstigend aufgelebten, bei den Grünen noch militanter geweordenen Begriff der Political Correctness alles Leben vergiftet.»

Gruß   

NOVALIS zum «Geniebegriff»

Der 24. NOVALIS-Clip ist da, siehe auf dieser Website im Link «Videos».

Der Text ist brandwichtig, gerade deshalb, weil heute von den KI-Strategen verbreitet wird, dass der alte, vor allem auf den weißen europäischen Mann zugerichtete Geniebegriff bald aus der Diskussion herausfallen und als chauvinistisch ad acta gelegt werde.

Der Denk-, beziehungsweise Überzeugungshintergrund dieser, wie ich sie hier einfach mal nenne, Strategen ist dieser: KI deckt in Zukunft alles komplett ab, was bisher nur Genies vorbehalten war.

NOVALIS Sichtweise auf das «Genie» bietet eine Denkalternative. Hier mein Text, in welchem ich zwei mir sehr nahegehende NOVALIS-Zitate bearbeite: 

Blüthenstaub: «Genie ist das Vermögen, von eingebildeten Gegenständen wie von wirklichen zu handeln und sie auch wie diese zu behandeln.»
Die Kinowelt als Abbildnerin eingebildeter Welten, die so real ihre Welt abbilden, das die Realität daneben sich beleidigt anfühlt. Im Internet findet ein so perfekt gestalteter eingebildeter Transfer von Wirklichkeit statt, ein Sog von in Sprache verkleideten Sprechblasen, da hat daneben alle Echtheit und alles Genie ein Ende. Muss noch anderes her, um Kraft des Genies zu wirken! Etwa Liebe im Sinne Bubers oder auch Novalis’, wobei ich bei letzterem nachschauen müsste und bei Buber durch den Kalender im Klo auf einem bestimmten Stand bin, aber sonst denn doch glaube: «Der Mensch vermag in jedem Augenblick ein übersinnliches Wesen zu sein.» Ohne weitere Vorbereitung ein solcher Satz (aus Blüthenstaub 22), das ist Glaube, das ist Drinstehen in einem Strom, der fließt wie ein Ganges oder der Amazonas, eine Urbewegung, gleich was für Wetter und gleich welche Katastrophe sonst in der Welt, auf der Erdoberfläche. Novalis der Gedankensinn-Reiniger, der Gesetzesübertreter und Gesetzgeber, der Stollenassessor vor Ort, vor dem Ort der Sprache, Gedanke an Gedanke, alles in Poësie getaucht, das ist Novalis, das ist das Leben in einem undefinierbaren Werk.
Der Romantiker definiert nicht und lässt sich nicht definieren, er schwimmt auf den leichten Wellen eines Stromes. Leben entsteht, Leben vergeht, es pulsen die Felder, es lösen sich Knoten, kein Leben erlischt ohne Grund.

Einen schönen Tag, 

Lange schon sichtlich europamüde

Kaum zu glauben, dass ich untenstehende Zeilen vor 25 Jahren geschrieben habe. Mein damaliger Blick auf Europa hat Ähnlichkeit mit dem heutiger Menschen, die so was von ernüchtert und müde in betreffs Europa geworden sind, dass es weh tut wie ein Körper nach eine schlecht vorbereiteten Ironmanchallenge. Die Zeilen bilden das Lesematerial für den 23. NOVALIS-Clip. Mir gefallen sie über die Maßen, auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, wie ich dazu kam, sie niederzuschreiben. Es ist der 60. Tag von 365 Tagen mit NOVALIS, ich notierte den Eintrag am 1.3.2001 in Kassel:

«‹Bildung des Geistes ist Mitbildung des Weltgeistes – und also Religion. Der Geist aber wird durch die Seele gebildet – denn die Seele ist nichts als gebundener, gehemmter, consonirter Geist› (Brouillon, Nr. 407) und also, siehe ebenda, ‹indirekct religiöse Pflicht (Kinderreligion, Kindermoral etc.).›
Es muss alles Poesie werden, sie bildet und beseelt und begeistert. Und: ‹Der Poët versteht die Natur besser wie der wissenschaftliche Kopf› (ebenda, Nr. 1093).

Ist das hier denn Bildung zum Weltgeist? Viel, und oft und oft will mir scheinen: alles steht zur Disposition – nur nicht, ob ich ins Paradies der ‹Poësie› eintreten wollte oder nicht.
Verdunkelt und verschlossen sind die Räume, die Kiste ist zu. Eine Sargsituation hat sich über Europa gelegt, mit Nachdruck und mit Gewicht, mit Kälte und abgekühlter Berechnung, wie es scheint. Andererseits sind Kisten und Büchsen geöffnet, jeder Mensch eine moderne Pandora, in der Selbstverschätzung, dass Giftschränke ein kurzweiliger Zeitvertreib seien, reden sie (wir) über alles, machen die unaussprechlichsten Dinge zum Salongeplauder, erheben überall und zu jeder Zeit das laute Wort, bringen ihr Gedachtes mit Werve ins Bild, ein angenehmer Kitzel, verwalteter Horror.
Abgenabelt vielleicht sind die Dinge von uns und wir damit von ihnen. Statt dass Lockerung und Öffnung für Geist und Welt, aus denen neuer Geist sich bildet, versucht wird, kommt etablierte Verhärtetheit zum Zug, und locker und gekonnt wirkt sie daher, die Menschen tun so rum, s’hat eine Art.
Abgenabelt, die Kiste ist zu, und das Wort in seine Beliebigkeit entlassen.

Als das Fehlen von Poësie als Verlust bemerkt wurde, als sich über die Hässlichkeit in Welt und Mensch Schmerz und Sehnsucht nach Veränderung darlebte, bewirkte der Poësieverlust das Validum Poësiae. Durch die Abnabelung, durch die gekappte Schnur ist die Sehnsucht weg, weg ist das Bild einer (zeitweiligen) Rückkehr. Dass das verständliche Mysterium ‚Wort‘ vernutzt, dass dem Schutz vor Taten und Bildern, Körpern und Körperberuhigungen, die Verschließung derselben folgte, mag uns in ihren vergewaltigenden Auswirkungen aufstoßen, die Herde der Entzweiung und Abnabelung bleiben uns dabei fremd. Denn: in der poësielosen Welt lebt es sich besser, in mancherlei Hinsicht.»

NOVALIS

NOVALIS (1772-1801)

Heute habe ich die fünfzehnte (15!) Folge über NOVALIS gefilmt. Ich lese jeweils einen bis drei Einträge aus einem Buch, das ich vor einem Vierteljahrhundert von Hand geschrieben habe. Das was ich jeweils lese, filme ich mit dem Handy. NOVALIS weiterlesen