Gummiabrieb

Ins Große gedacht, ist der Gummiabrieb meiner Joggingschuhe auf Kassels Straßen in die Kategorie «Plastikinseln in den Ozeanen» einzuordnen. Der Dalai Lama hat nämlich recht, alles hängt mit allem zusammen, auch der an meinen Plastikschuhen verschwundene Plastik mit den gigantischen Plastikinseln, die den Fischen und Walen die Weltmeere streitig machen. Gut, dass Greta und ihre Vollstrecker noch nicht auf diese Idee gekommen sind. Ich zweifle, ob ich sonst kürzlich mit Freude neue Laufschuhe gekauft hätte. Was ich allerdings weiß, ist, dass ich sie nur kaufte, weil mir der Ladeninhaber einen beträchtlichen Nachlass aufgeschwatzt hatte. Auch das noch, sagen sie jetzt, typisch weißer männlicher Chauvinist, erhöht nicht nur die Feinstaubemmissionen in der Stadt, nein, dieser Feind der Enkelgeneration ist auch noch auf Schnäppchenjagd.

Außerdem hat dieser gefährliche weiße Mann nur Blödsinn im Kopf. Als er seine alten, abgewetzten Schuhe, einst himmelblau, jetzt modrig wie eine bräunlich-gelbe Wiese im beginnenden Frühling, auf der die letzten schmutzigen Schneereste verdampfen, einst mit Komfort-Polsterzonen ausgestattet, inzwischen blankgescheuert wie alte 7-Zonen-Schaumstoff-Matratzen auf dem Sperrmüll nach 30 Jahren Benützung, als er – als ich meine Schuhe betrachtete, erkannte ich vorn und hinten an den Schuhen die mit Abstand stärksten Abriebstellen. Das war der untrügliche Beweis für die Richtigkeit jener Theorie, die behauptet, dass die Erde eine Hohlkugel sei und wir Menschen innendrin in dieser Hohlkugel existierten. Logischerweise reiben wir beim Gehen die Schuhe schwerpunktmäßig vorn und hinten am meisten ab, vorn unter den Zehengelenken und hinten unter dem Fersenbein.

Ich mag handfeste Beweise, vor allem heute, wo mittelmäßige Köpfe mit wilden Theorien Karriere machen und sie in der Tagesschau präsentieren.

Ein schönes Wochenende, herzlich