Nochmals Gedanken zu «Macht»:
Friedrich Nietzsche schrieb im 19. Jahrhundert an einem Buch, dem er den Titel «Der Wille zur Macht» geben wollte und das er nie zu Ende schrieb. In dem, was von diesem geplanten Buch überlebt hat, beschreibt er, wie alles Lebendige danach strebt, seine Kräfte zu entfalten. Einerseits träumte Nietzsche vom starken Menschen, der wachsen und sich überwinden will und der sein Leben schöpferisch gestaltet. Und auf der Realebene sah er mit Schrecken, wie sich in seinem Jahrhunder ein wissenschaftliches Denken ausbildete, das gegen den Menschen gerichtet ist.
Im 20. Jahrhundert verschaffte sich dieses Denken dann in den großen Kriegen, Kriegen, wie sie die Menschheit davor nicht gekannt hatte, Gestalt. Bis gegen Ende dieses Jahrhunderts gab es weltweit eine Empörung und moralische Abgrenzung gegen diese Kriege.
Und das 21. Jahrhundert? Was kann da noch Neues kommen? – Vielleicht dies, dass sich die Macht in unüberbietbarer Schamlosigkeit als Spaß zeigt, in Medien, in Stadien, in Interventionen, gegen die man sich vor 30 Jahren noch verwehrte und die man heute mit kalter Schulter über sich ergehen lässt. Es ist eine Form aggressivsten Neoliberalismus‘, der anscheinend vollkommen gesellschaftsfähig ist – und dabei das Soziale komplett korrumpiert, Nietzsche würde sagen: exstirpiert, also: ausrottet.
Ich freue mich trotzdem am heutigen Sommertag hier in Kassel,
herzlich 
