Politisch korrekte Texte

Ich bin wieder zurück am Schreibtisch, nachdem ich länger offline in den Bergen war. Mauern bauen, Zecken bekämpfen, Wiesen sensen, Bäume schneiden, lauter derlei schöne und weniger schöne, anstrengende und weniger anstrengende Dinge. 

Und nun wieder unter Schreibenden. 

Ich schreibe meine Texte noch selbst, mühsam, langsam, sperrig.

In der Debatte, ob Journalist*innen ihre Texte selbst schreiben müssen oder durch KI schreiben lassen dürfen, habe ich kein Problem, mich auf die Seite derer zu stellen, die pro KI voten.

Nur – ich selbst brauche das altmodische Gefühl, unter meinen Gedanken und Fingern einen Text entstehen zu sehen. 

Wie solche Texte zu schreiben seien, darüber gibt es auch ohne KI heutzutage viel Fremdbestimmung.

So soll ich nur schreiben, was Leser*innen sofort verstehen. Allgemeinbildung vorauszusetzen wäre politisch unkorrekt, die Zumutung etwas zu googlen auch.

Ich bin heute morgen beim Schreiben gerade an einer Stelle angekommen, wo ich meine Großmutter beschreiben will, ihre Mischung aus Liebe und Züchtigung. Da kam mir das seinerzeit heiß debattierte Bild von Max Ernst mit der züchtigenden Gottesmutter in den Sinn.

Es ist das berüchtigte Bild mit der Heiligen Mutter, die ihrem Heiligen Kind den Hintern versohlt – genau wie damals unsere Großmutter! Sie hatte eine Hand für die Liebe und eine andere für die Züchtigung. 

Soll ich meinen Leser*innen Max Ernsts Gemälde zumuten?

Selbstverständlich, sage ich. 

Selbstverständlich nicht, sagen dir die Leute, die Creative Writing anbieten. 

Selbstverständlich nicht, sagen die Verlage, die ihre Autor*innen dazu erziehen, ihre Leser*innen zur Verdummung zu erziehen.